Experimentierraum „Einführung eines Industrieroboters“

Tätigkeiten in einer Tischlerei bringt man vor allem mit einem in Verbindung: handwerklicher Arbeit. Die Tischlerei Eigenstetter in Rehna bei Lübeck zeigt jedoch: Durch den Einsatz neuer Technologien kann Handarbeit auch mal zu Kopfarbeit werden.

Entlastung durch den Einsatz des Roboters

Mit dem Ziel, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter körperlich zu entlasten und neue Aufträge zu generieren, hat der Fachbetrieb für Architekturlösungen 2012 einen Industrieroboter angeschafft. Im modernen Roboterfräszentrum fräst der fast fünf Tonnen schwere, fünfachsige Roboter komplizierte Werkstücke verschiedener Materialien aus. So können aufwändige Arbeiten geschaffen werden, die auf klassischem Weg der Herstellung zu viel Kraft kosten würden oder nicht in der gewünschten Präzision gefertigt werden könnten.

Die eigentliche Arbeit liegt so nicht mehr in der handwerklichen Arbeit am Werkstück, sondern in der Programmierung des Gerätes. Dadurch werden die Tischlerinnen und Tischler zwar einerseits körperlich entlastet. Andererseits sind neue Kompetenzen erforderlich, um die Maschine auch bedienen zu können. Fachmännische Unterstützung holte sich das Unternehmen bei dem Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA).

Das Personal miteinbeziehen: Ängste nehmen

Von Anfang an hat die Tischlerei Eigenstetter das Personal in die Umstellung mit einbezogen. Dabei sei besonders wichtig gewesen, den Beschäftigten zu verdeutlichen, dass sie – nicht der Roboter – das entscheidende Know-How hätten und keine Arbeitsplätze durch die Neuanschaffung wegfallen würden. So konnte der Betrieb Unsicherheiten in der Belegschaft entgegenwirken.

Schrittweise hat der Betrieb gemeinsam mit seinen Beschäftigten die Einführung digitaler Lösungen von der Konzepterstellung über die Entwicklung bis zum Aufbau eines robotergestützten Fräszentrums erarbeitet. Vieles wurde in diesem Zusammenhang ausprobiert, einiges wurde verworfen, anderes weiterentwickelt. Parallel schulte der Betrieb die Beschäftigten im Programmieren des Roboters. So setzte der die Tischlerei auf innerbetriebliche Qualifizierung und gemeinsames Entwickeln von Lösungen.

Mehr Aufträge und zufriedene Mitarbeitende

Zwar sei nicht abzusehen gewesen, wie umfangreich die Veränderungen der Arbeitsabläufe und -strukturen tatsächlich sein würde. Doch im Großen und Ganzen ist die Tischlerei zufrieden mit der Anschaffung des Geräts. So kann der Betrieb mehr Aufträge verzeichnen und die Übernahme körperlich schwerer Aufgaben ist für einige Beschäftigte eine große Entlastung.