Experimentierraum „Integriertes Miteinander“

Als Familienunternehmen mit acht Einzelgesellschaften ist die Stoll Gruppe GmbH in den Bereichen Industrie-Elektro-Installation, Anlagenbau sowie Energie- und Automatisierungstechnik tätig. Um die Agilität zu stärken, setzt das Unternehmen seit 2011 auf prozess- und projektorientiertes Arbeiten. Während sich die Unternehmensstruktur im Zuge dessen zügig veränderte, kam die Entwicklung einer neuen Unternehmenskultur kaum hinterher. Die Herausforderung: Im Projektgeschäft sind die gute Zusammenarbeit in interdisziplinären Teams und eine heterogene Belegschaft mit unterschiedlichen Kompetenzen und Denkweisen besonders wichtig.

Allerdings birgt die personelle Vielfalt und Interdisziplinarität auch Herausforderungen in der Zusammenarbeit. Unterschiedliche Charaktere treffen aufeinander, verschiedene Sichtweisen und Denkansätze müssen unter einen Hut gebracht werden. Das kann schon mal zu Konflikten führen und den reibungslosen Arbeitsablauf erschweren. Das erlebte auch die Stoll Gruppe, bevor sie 2013 das sogenannte „integrierte Miteinander“ initiierte, um die Zusammenarbeit im Unternehmen systematisch zu entwickeln.

Chance zur Mitbestimmung: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter diskutieren Unternehmensziele

Alle 200 Beschäftigten können sich fortan an der Ausrichtung der Unternehmensstrategie und -kultur stärker beteiligen. Dies geschieht in einem halbjährlich ablaufenden Zyklus, wobei alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Möglichkeit erhalten, sich intensiv mit der Unternehmensstrategie auseinanderzusetzen und an ihrer Ausgestaltung mitzuwirken.

Ein Zyklus beginnt alle sechs Monate mit einem sogenannten „integrierten Mitarbeiterseminar“. Dabei kommen alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Unternehmens, unabhängig von ihrer Funktion, Position oder Hierarchieebene, in einem großen Raum zusammen. Das Seminar beinhaltet eine etwa einstündige „strategische Begründung“, in der Vertreterinnen und Vertreter der Geschäftsführung Strategie und Fokus des nächsten Halbjahres vorstellen. Im Anschluss an die Präsentation der Geschäftsführung tauschen sich die Beschäftigten in fünf- bis zehnköpfigen Teams, in denen sie auch später zusammenarbeiten, über die Unternehmensstrategie aus. Jeder hat dabei die Möglichkeit, Fragen zu stellen, sich zu Strategie und Unternehmenszielen zu äußern oder diese anzuzweifeln. Die Teamleiterinnen und Teamleiter tragen die Ergebnisse gegenüber der Geschäftsleitung vor.

Zusammenarbeit: Teams gestalten Umsetzung der Unternehmensstrategie

Im Anschluss an das halbjährliche Impulsseminar treffen sich die Teams kontinuierlich in einem 14-tägigen Rhythmus für jeweils eine Stunde. Bei diesen Treffen wird überlegt, welchen konkreten Beitrag die Teams und Mitarbeiter zur Erreichung der Unternehmensziele und Umsetzung der Unternehmensstrategie leisten können und wie das messbar gemacht werden kann. Die Entwicklungen in den Teams werden fortlaufend dokumentiert und alle zwei Wochen über einen internen Newsletter verbreitet. Die Zusammenarbeit im Unternehmen hat sich im Laufe der letzten Jahre stark verändert. Sie ist zunehmend von den Funktionen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und weniger von Hierarchien bestimmt.

Die circa 200 Beschäftigten von Stoll haben so die Möglichkeit, die Unternehmensstrategie, ihr Arbeitsumfeld und die Zusammenarbeit in hierarchiefreien Arbeitsplattformen aktiv mitzugestalten. Somit werden sie buchstäblich zu „Mitverantwortlichen“. Damit ist es dem Unternehmen gelungen, eine Kultur zu etablieren, in der jeder Einzelne in der Verantwortung steht, sich aktiv einzubringen und eigeninitiativ zu handeln anstatt auf Anweisungen von oben zu warten.