Virtueller Roundtable mit Frank Böhringer

Leistung wird immer noch oft mit Präsenz und Erreichbarkeit gleichgesetzt. Doch immer mehr Beschäftigte – auch im Management – wünschen sich mehr Flexibilität, Zeit für Familie und Privatleben. Die AOK Baden-Württemberg reagiert darauf mit ihrem Experimentierraum "Karriere in Teilzeit" und entschied sich, Führungspositionen auch mit Teilzeitbeschäftigten zu besetzen und ihnen so bessere Karrieremöglichkeiten zu eröffnen.

Wie das neue Modell angenommen wurde, welche Rolle dabei die Mitarbeitenden spielen und welche Tipps Frank Böhringer für interessierte Unternehmen hat, wurde im Expertenchat diskutiert.

"Die Arbeitsstruktur bei der AOK Baden-Württemberg war viele Jahre sehr linear organisiert. In den letzten fünf bis zehn Jahren wurde uns klar, dass wir in Zukunft nicht mehr so agieren können," berichtet Frank Böhringer, Leiter des Referats Personalkonzepte/Strategien. Die Bedarfe der Belegschaft seien immer vielfältiger geworden und man fragte sich, wie man auf diese Anforderungen reagieren könne. Von zentraler Bedeutung für den Wandel im Unternehmen sei der Rückhalt des Managements gewesen: Hier war man bereit, neue Wege zu beschreiten. Das habe Frank Böhringer und seinem Team Mut gegeben, neue Dinge auszuprobieren, die vor zehn bis 15 Jahren vielleicht noch undenkbar gewesen wären. "Es braucht das Feuer von unten, aber gleichzeitig auch die Offenheit des Managements."

Frank Böhringer wies darauf hin, dass die Kommunikationsarbeit ein wesentliches Element und auch ein Erfolgsfaktor für die Experimentierräume im Unternehmen sei. Die neuen Arbeitsmodelle würden über interne Medien wie Mitarbeiterzeitungen, im eigenen Online-Portal oder auf Veranstaltungen kommuniziert. Dabei zeigen gute Beispiele die neuen Vorgehensweisen. Es habe einen besseren Effekt, reale Geschichten zu erzählen, als die Information per Rundschreiben an die Führungskreise zu senden.

"Scheitern ist ein riesiges Lernfeld für uns ein ganz wichtiges Thema, dessen Bedeutung wir uns bewusst machen müssen," betont Frank Böhringer. Die AOK Baden-Württemberg bemühe sich, das Thema gut abzubilden. Es gehöre zur Unternehmenskultur, sich darauf einzulassen, dass auch mal etwas schief gehen kann. Fehler vollkommen unbedarft zuzulassen, sei natürlich noch eine Idealvorstellung, aber man werde sich immer bewusster, dass Scheitern erlaubt sein müsse. So auch in einem Projekt, in dem versucht wird, neue Karrierebilder im Unternehmen zu etablieren. Dort müssten Führungskräfte nicht zwingend die nächsthöhere Ebene erreichen, sondern haben die Möglichkeit, auch andere Tätigkeiten auszuüben, ohne, dass ihnen gleich ein Scheitern vorgeworfen werde.

Welche Themen darüber hinaus diskutiert wurden und was die Teilnehmenden besonders am Experimentierraum „Karriere in Teilzeit“ interessiert hat, erfahren Sie zusammengefasst in unserem Podcast "Der virtuelle Roundtable kompakt."