Prof. i. R. Dr. Wolfgang Scholl über Innovationsprozesse und moderne Teamarbeit

  • 1. Sie setzen sich mit Innovationsprozessen auseinander. Wie können Organisationen innovativ sein? Was macht für Sie ein erfolgreiches Innovationsprojekt aus?

    Wolfgang Scholl: Es gibt viele Faktoren, die zum Gelingen oder Scheitern von Innovationen beitragen können; Sicherheit gibt es nie. Auf individueller, interaktiver, organisatorischer und gesellschaftlicher Ebene laufen permanent und parallel evolutionäre Prozesse ab, die in einer Kultur der Offenheit, Fehlertoleranz, konstruktiven Auseinandersetzung und wechselseitigen Rücksichtnahme am besten berücksichtigt werden können. Das geht individuell per Versuch und Irrtum, durch Kreativität und das Lernen von anderen oder auch interaktiv mit intensiver Kommunikation, abgestimmten Handlungen und konstruktiver Konflikthandhabung. Gefördert werden Innovationen auch auf organisatorischer Ebene durch geteilte Führung, offene Unternehmenspolitik und externe Kooperationen. Schließlich können kaum zu beeinflussende wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Veränderungen die angenommenen Bedingungen auf unvorhersehbare Weise verändern, manchmal sogar auf günstige Weise.

    Die wichtigsten Erfolgsfaktoren sind konstruktive Konflikthandhabung, weil Meinungen und Interessen bei Innovationen meistens mehr oder minder stark auseinandergehen, und eine klare Fokussierung auf die Bedürfnisse der externen Adressaten von Produkt- und Dienstleistungsinnovationen genau wie auf die Bedürfnisse der internen Betroffenen, besonders bei Verfahrensinnovationen.

  • 2. Wie kann moderne Teamarbeit, gerade in Zeiten der Digitalisierung, erfolgreich gestaltet werden?

    Wolfgang Scholl: Erfolgversprechende Teamarbeit benötigt – je nach Komplexität der Aufgabe – klare, partizipative und schrittweise neu zu adaptierende Zielvereinbarungen, gut qualifizierte, diverse Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, eine gründliche Startphase mit persönlichem Kontakt zur Bildung wechselseitigen Vertrauens, weitgehende Selbststeuerung mit professionellem Projektmanagement sowie in kritischen Situationen organisationale Unterstützung statt Behinderung. Das aufgebaute Vertrauen und die gemeinsam erstellte Zielvereinbarung ermöglichen eine klare Kommunikation auch über digitale Medien. Durch gute Moderation kann dann auch sehr kontrovers diskutiert werden, ohne Antipathien zu erzeugen oder die Kooperationsbereitschaft zu untergraben. In schwierigen Situationen sollte allerdings das direkte Gespräch von Angesicht zu Angesicht gesucht werden, weil man sich hier viel genauer verbal und nonverbal verständigen kann.