Neues entsteht dort, wo man sich nicht gegen Risiken und Niederschläge auflehnt

  • Welche Möglichkeiten bieten Experimentierräume konkret Start-ups und Unternehmen?

    Verena Pausder: Die Arbeitswelt verändert sich. Um sie aktiv, kreativ und innovativ mitgestalten zu können, müssen wir uns an sie heranwagen, uns in und mit ihr ausprobieren. Nicht hinter verschlossenen Türen in der Führungsetage, sondern in einem vertrauensvollen Miteinander von Chefs und Beschäftigten. Ein Experimentierraum macht das möglich – in geschütztem Rahmen, ergebnisoffen und ohne Zwang. Das heißt auch: Fehler können gemacht werden, Scheitern und Verwerfen ist erlaubt. Der große Vorteil: Man spinnt neue Ideen und Konzepte nicht abgekapselt auf der grünen Wiese, sondern orientiert am tatsächlichen Arbeitsalltag.

  • Welche Ratschläge können Sie Unternehmen und Mitarbeitenden geben, um zu lernen, mit Rückschlägen umzugehen?

    Verena Pausder: Es ist wichtig, Rückschläge als Chance zu begreifen und offen, sachlich und konstruktiv mit ihnen umzugehen. Neues entsteht dort, wo man sich nicht gegen Risiken oder Rückschläge auflehnt, wo Mitarbeitende nicht das Gefühl haben, sich um Kopf, Kragen und Job zu reden, wenn sie einen Fehler zugeben. Führungskräfte müssen diesen Geist im Umgang mit Fehlern vorleben, Mitarbeitenden gerade auch in Phasen der Niederlage den Rücken stärken und ihnen vermitteln: Wir stehen zu 100 Prozent hinter euch, wir lernen daraus und machen es beim nächsten Mal besser oder anders.

  • Was können etablierte Unternehmen von Start-ups in Bezug auf Agilität und Experimentierfreudigkeit lernen?

    Verena Pausder: Sich mutig, neugierig, explorativ und auch spielerisch den Dingen zu nähern, das können etablierte Unternehmen von Start-ups lernen. Ein früher und direkter Austausch mit Kunden und Nutzern ist in meinen Augen besonders wichtig. So kann ein nicht perfekter Prototyp kostbarer sein als umfangreiche Screenings und Analysen in der "Wir haben eine Idee"-Phase. Sich mit der gleichen Leidenschaft sowohl für das Produkt als auch für die Nutzer zu interessieren, erhöht die Erfolgschancen – auch wenn damit zunächst die Erkenntnis einhergeht, einen neuen Weg einschlagen zu müssen. Der Knackpunkt: Diesen Kurswechsel muss man als Lernschritt akzeptieren und durchziehen! Kleine Teams mit klarem Mandat und Handlungsspielraum sind hierarchischen Strukturen dabei vorzuziehen.