Agiles Arbeiten in der IT

Schon seit 30 Jahren arbeite ich in der IT-Branche. Studiert habe ich Informatik. Mir ist direkt beim Einstieg ins Berufsleben aufgefallen, dass viele Praktiken, die man professionell oder zumindest üblich angewendet hat, im Lichte der vielen gescheiterten IT-Projekte doch fragwürdig sind. 1998 habe ich Kent Beck und Martin Fowler kennen gelernt (beides Erst-Unterzeichner des Agilen Manifests). Ich war sofort davon überzeugt, dass mit deren Ansätzen eine höhere Erfolgswahrscheinlichkeit möglich ist. Leider war kurz nach der Jahrtausendwende gerade ein Trend zur Industrialisierung der IT angebrochen (ITIL, CMMI, Outsourcing). Ich konnte also jahrelang beobachten, wie Teams, die nicht selbstorganisiert geführt werden, ihre Fachkompetenz unter ungünstigen Bedingungen in meist komplexen Projekten einsetzen mussten. Der zentralisierte und schemahafte Ansatz war unflexibel und führte oft zu fragwürdigen Ergebnissen. Nun arbeiten wir agil. Das ist in der Übergangsphase sehr anstrengend, weil Gewöhnung an Altes und fehlende Orientierung im Neuen jedem Beteiligten viel Engagement abverlangt. Rahmenbedingungen, die noch auf das Industriezeitalter zugeschnitten sind, machen den Übergang nicht leicht. Aus mangelnder Erfahrung und weil jedes Umfeld individuelle Herausforderungen stellt, muss man Dinge ausprobieren. Dieses Experimentieren ist für die Belegschaft einerseits ungewohnt, andererseits setzt es völlig neue Energien frei. Wir sind noch am Anfang, ich glaube aber, dass dies der richtige Weg ist.