Wir verändern die Sichtweise und machen den arbeitenden Menschen zum Subjekt

  • Der ddn-Aktionstag 2018 steht unter dem Slogan „Perspektivwechsel 3D: Demographischer Wandel, Digitalisierung und Diversität“. In welchem Zusammenhang stehen diese Begriffe mit Blick auf die Arbeitswelt der Zukunft?

    Martina Schmeink: Sie markieren die Megatrends der Arbeit der Zukunft und sind eng verbunden mit einer sich weiter beschleunigenden Veränderungsdynamik. Häufig herrscht der Eindruck vor, von den Veränderungen überrollt zu werden, Opfer und Objekt zu sein, statt zu profitieren. Wir verändern die Sichtweise und machen den arbeitenden Menschen zum Subjekt. Für 2018 haben wir als Schwerpunkt die Mensch-Maschine-Interaktion gesetzt. Wir wollen die Kultur der Zusammenarbeit weiterentwickeln, die Flexibilität bei Ort und Zeit ermöglicht und Agilität fördert. Mobiles Arbeiten ermöglicht beispielsweise die Anpassung der Arbeit an die individuellen Bedarfe in unterschiedlichen Lebensphasen. Dies bedarf natürlich eines neuen Verständnisses von Führung. Stichwort Kontrolle versus Vertrauen.

  • Der demographische Wandel führt zu strukturellen Veränderungen im Arbeitsmarkt. Welche Chancen und Herausforderungen ergeben sich daraus?

    Martina Schmeink: Der demographische Wandel verstärkt den Fachkräftemangel. Aber auch die Chancen sind groß. Für die meisten Menschen ist die Vorstellung, länger aktiv zu sein, keine Drohung. Im Gegenteil. Die Digitalisierung nimmt uns lästige manuelle und kognitive Routinen ab. Davon profitieren ältere Mitarbeiter besonders. Sie können so (körperlich) entlastet werden und wertvolles Erfahrungswissen, das Künstliche Intelligenz nie ersetzen können wird, voll einbringen.

    Mit der Diskussion um den demographischen Wandel ist direkt auch die Diskussion um den Fachkräftemangel verbunden. Die Digitalisierung kann hier durch Automatisierung Entlastung schaffen. Gleichzeitig steht immer wieder die Frage nach nicht genutzten Erwerbspersonenpotentialen im Raum. Stichwort Diversität: Digitale Assistenzsysteme und Künstliche Intelligenz entlasten von Routinearbeiten und schaffen Gestaltungsraum. Sie unterstützen bei belastenden Tätigkeiten und ermöglichen ein längeres gesundes Erwerbsleben und sie ermöglichen mehr Teilhabe von bisher nicht erschlossenen Potentialen. Assistenzsysteme werden z. B. eingesetzt, um Menschen mit Beeinträchtigungen Erwerbsmöglichkeiten im ersten Arbeitsmarkt zu schaffen und sie als Potentiale zu sehen. Um nur einige wenige Beispiele zu nennen.

  • Wie können Experimentierräume ein erfolgreiches Generationenmanagement in Unternehmen unterstützen?

    Martina Schmeink: Experimentierräume sind ein ideales Instrument, um einen Kulturwandel beim Tätigkeitswechsel zu bewirken. Gerade Ältere glauben oft nicht an ihre Chancen, fürchten einen Neuanfang. Experimentierräume, denkbar wären auch überbetriebliche, vermitteln im produktiven Austausch der Generationen ihre Qualitäten und machen hier Mut.

    Jede Generation bringt ihre Erfahrungen mit und verfügt über spezielle Kenntnisse und Fähigkeiten. Experimentierräume unterstützen also nicht nur das Generationenmanagement, sie fördern auch den Erfolg des gesamten Unternehmens, und zwar dauerhaft.