Zum Kernthema von Arbeitsorganisation vordringen

In keiner vorangegangenen Gesellschaft war der Anspruch auf Selbstentfaltung in der Arbeit größer als heute – und doch sind die Möglichkeiten hierfür stark eingeschränkt. Oft sind es weder Marktanforderungen noch Arbeitsstrukturen, die das Beschreiten neuer Wege verhindern, sondern schlicht die betrieblichen Routinen und Traditionen. Viele (nicht nur) junge Menschen wollen sich in der Arbeit jedoch verwirklichen können. Sie vertrauen darauf, dass es auf sie – egal auf welcher Qualifikationsstufe – ankommt und ihr Zutun sinnvoll ist. Aus dieser Erwartung speisen sich Motivation und Leistungsbereitschaft über ein ganzes Erwerbsleben hinweg – und nicht zuletzt auch der „soziale Kitt“ der Gesellschaft.

Es ist daher in betrieblichem, durchaus aber auch in gesellschaftlichem Interesse, Erwartungen an Arbeit nicht zu enttäuschen. Betriebliche Experimentierräume sind hierfür ein hervorragendes Instrument. Sie bieten Unternehmen die Chance, sich auf ein Terrain vorzuwagen, das neben Fragen nach Einkommen, Arbeitszeit oder Qualifizierung und Aufstieg oft vernachlässigt wird: den Arbeitsinhalt. Hier ließe sich im Experimentierraum auskundschaften, wie die Arbeitenden ihre konkrete Aufgabe sehen und bewerten. Viele Gesundheitsprogramme dürften überflüssig werden, wenn man sich diesem Thema stellt.

Keine Frage: Es ist gar nicht leicht, auf arbeitsinhaltliche Unzufriedenheit zu reagieren; sie aber zu ignorieren, ist keine Option. Besondere Brisanz erhält das Thema zudem durch die Digitalisierung. Ein Erfolgsmodell könnte genau darin liegen: gemeinsam mit den Beschäftigten auszuloten, welche Aufgaben sinnvollerweise durch Maschinen oder Algorithmen übernommen werden können und was hingegen am Arbeitsplatz – mit Blick auf neue Impulse für Prozesse und Produktinnovationen und somit aus guten wirtschaftlichen Gründen – erhalten bleiben sollte.