Die Digitalisierung eröffnet Spielräume

  • Die Zukunft der Arbeit wird maßgeblich von der Digitalisierung beeinflusst. Wo liegen die Herausforderungen zur arbeitnehmerfreundlichen Gestaltung des Wandels aus Ihrer Sicht?

    Karl-Heinz Brandl : Um negativen Beschäftigungswirkungen entgegenzutreten und Umbrüche in der Beschäftigung durch Digitalisierung zu bewältigen, müssen Strategien zur Beschäftigungsförderung und -sicherung entwickelt werden. Gerade Investitionen in gesellschaftliche Bedarfsfelder, also in soziale und gesellschaftlich notwendige Dienstleistungen (z. B. Kitas, Pflege), sind notwendig. So ist Qualifizierung, um die Beschäftigungsfähigkeit der Erwerbstätigen in einer sich immer dynamischer wandelnden Arbeitswelt zu sichern und um Rationalisierungsfolgen abzufedern, eine weitere zentrale Stellschraube. Dabei ist vor allem ein Rechtsanspruch auf Weiterbildung für die Beschäftigten ein wichtiger Schritt. Dies sollte meiner Meinung nach von einer staatlich geförderten Bildungsteilzeit unterstützt werden, die tarifvertraglich flankiert werden sollte.

  • Ihr Arbeitsbereich beschäftigt sich mit Akteuren aus Betrieb, Gewerkschaft und auch Wissenschaft. Wie wirkt sich die zunehmende Digitalisierung auf Betriebs- und Personalräte aus?

    Karl-Heinz Brandl : Betriebs- und Personalräte stoßen oft an die Grenzen ihrer Mitbestimmungsmöglichkeiten. Diese entstammen oftmals noch vordigitalen Zeiten. So werden sie den veränderten Anforderungen oftmals nicht mehr gerecht. Deshalb braucht betriebliche Mitbestimmung ein "Update", um mehr Einflussmöglichkeiten der Interessenvertretungen auf Entscheidungen über Arbeitsorganisation, Durchsetzung des Gesundheitsschutzes, Zielvorgaben und Personalbemessung sowie Fremdvergaben zu begründen.

  • Welche Möglichkeiten bieten Experimentierräume für Betriebs- und Personalräte?

    Karl-Heinz Brandl: Gerade die Digitalisierung eröffnet Spielräume für mehr Autonomie der Beschäftigten. Das betrifft insbesondere die Wahl ihres Arbeitsortes und die Festlegung ihrer Arbeitszeiten. Diese Optionen gilt es unter Beteiligung und zu Gunsten der Erwerbstätigen verstärkt zu nutzen, um ihnen durch eine erweiterte Orts- und Zeitsouveränität mehr Arbeits- und Lebensqualität, eine verbesserte Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie mehr Geschlechtergerechtigkeit zu ermöglichen. Experimentierräume bieten hier die Möglichkeit, verlässliche Rahmenbedingungen für diese neuen Möglichkeiten im Interesse unserer Kolleginnen und Kollegen zu erarbeiten.