Ein Beitrag von John Zysman

Digitale Technologien entwickeln sich in rasantem Tempo, da enorme Summen in rechenintensive Automatisierungsvorhaben investiert werden. Trotz dieses scheinbar unaufhaltsamen Vormarschs der Technik ist die Zukunft nicht vorherbestimmt. Sie wird vielmehr durch gesellschaftliches, politisches und wirtschaftliches Handeln geprägt. Es ist an uns, die Zukunft zu gestalten. Das Schreckensszenario einer Zukunft, in der Arbeitsplätze einfach wegfallen und Beschäftigte verdrängt werden, ist nicht unausweichlich. Digitale Technologien können so eingesetzt werden, dass neue Arbeitsplätze geschaffen werden und Arbeit so organisiert wird, dass Menschen besser qualifiziert werden und eine gerechtere und gleichberechtigtere Gesellschaft geschaffen wird.

Einige aktuelle Studien und ein Großteil der daraus resultierenden Presseberichterstattung legen ein bevorstehendes Schreckensszenario nahe. Andere Studien zu den zu erwartenden Auswirkungen intelligenter Systeme und fortgeschrittener Robotik kommen zu ganz anderen Schlussfolgerungen. Die Schlussfolgerungen der verschiedenen Studien sind so unterschiedlich, dass man die jeweils zugrunde liegenden Annahmen sorgfältig prüfen muss. Die Unterschiedlichkeit deutet aber auch auf die Gestaltungbarkeit unserer Zukunft hin.

Welche Wahlmöglichkeiten gibt es also, um die Ausrichtung und Auswirkungen intelligenter Technik zu beeinflussen? Die zentralen Fragestellungen und Debatten werden allmählich klarer.

  1. Intelligente Maschinen als Werkzeuge: Wie können Menschen in einer Arbeitswelt, in der sie in einer konstanten Interaktion mit intelligenten Werkzeugen stehen, so engagiert und erfüllt wie möglich arbeiten? Wie können intelligente Systeme als Werkzeuge eingesetzt werden, um die menschliche Arbeitskraft zu ergänzen und die menschliche Intelligenz zu verstärken, und das auch dann, wenn Arbeit gleichzeitig reorganisiert und neu gedacht wird? Ist es möglich, Wege zu finden, die nicht nur die Produktivität und Innovation beschleunigen, sondern auch neue Ansätze für die Weiterentwicklung und Aufrechterhaltung der Fähigkeiten des Menschen und Wohlstand für alle aufzuzeigen?
  2. Technologie- und Arbeitspolitik: Wie müssen Politikansätze und -verfahren aussehen, wenn wir eine Zukunft gestalten wollen, in der intelligente Systeme menschliche Arbeitskraft nicht einfach ersetzen, sondern zur Steigerung der menschlichen Intelligenz eingesetzt werden?
  3. Überdenken von Unternehmensstrategien: Versucht man technische Entwicklungen zu beeinflussen, besteht die Schwierigkeit darin, dass für die Gesellschaft vorteilhafte Entwicklungen auch dem marktwirtschaftlichen Wettbewerb standhalten müssen. Eine Ausrichtung, die für die Gesellschaft vorteilhaft aber wirtschaftlich nicht tragfähig ist, wird sich auf wettbewerbsorientierten Märkten nicht durchsetzen. Es braucht daher eine Förderung und Entwicklung menschenzentrierter Unternehmensstrategien, die auf den Märkten erfolgreich sind, weil sie die Arbeitskraft aller Beschäftigter zur Entfaltung bringen und diese als unverzichtbare Ressource sehen und nicht nur als Kostenfaktor, den es zu reduzieren gilt. Es geht um Unternehmensstrategien, die sowohl die Entwicklung menschlicher Kompetenzen als auch die effektive und innovative Nutzung neuer intelligenter Werkzeuge in den Mittelpunkt stellen. Es müssen Strukturen und Anreize geschaffen werden, die Firmen dazu bewegen, ihre Beschäftigten als Ressource zu begreifen, die man fördern und entwickeln muss.

Technologie eröffnet immer eine Bandbreite möglicher Ausrichtungen und Wege. Die tatsächliche Entwicklung ist das Ergebnis der Auseinandersetzung zwischen Akteuren mit unterschiedlicher Gestaltungsmacht. Die Entscheidungen, die wir in Unternehmen und in unserer Gesellschaft über Entwicklung von Technologien treffen, werden unsere Zukunft bestimmen.

Weiterführende Informationen:

Der Inhalt dieses Beitrags geht zum Teil zurück auf das Projekt "Work in an Era of Intelligent Tools and Systems" (wits.berkeley.edu) der Universität Berkeley, organisiert von John Zysman; Ken Goldberg; Jennifer Granholm; Brad de Long; Martin Kenney; Shankar Sastry, Costas Spanos und Laura Tyson. Ebenso wird Bezug genommen auf "Entrepreneurial Finance in the Platform Economy Era: What Consequences for Labor?", einen Vortrag von Martin Kenney anlässlich der Konferenz "Many Futures of Work Conference" in Chicago.