Informationstechnologie ist heute aus kaum einer Organisationsform wegzudenken

  • Wie kann Informationstechnologie Organisationsformen in Unternehmen schaffen, die das Zusammenarbeiten in Teams erleichtern und Innovationen fördern?

    Prof. Jan Marco Leimeister: Informationstechnologie (IT) ist heute aus kaum einer Organisationsform wegzudenken – ob diese nun eher durch den Markt, durch Hierarchie oder hybride Organisationsformen geprägt ist. IT-gestützte, räumlich und zeitlich verteilte Zusammenarbeit ermöglicht neue Prinzipien der Arbeitsorganisation. Kombiniert mit Standardisierung, Flexibilisierung und (Teil-)Automatisierung kann sie zu großen Produktivitäts- und Qualitätssprüngen bei der Wissensarbeit führen.

  • Wie können diese Organisationsformen von Unternehmen erprobt werden? Welche Rolle können Experimentierräume dabei spielen?

    Prof. Jan Marco Leimeister: Experimentierräume können Unternehmen und Mitarbeitern dabei helfen, neue Formen der Arbeitsorganisation erst einmal in einem "geschützten Raum" zu erproben, bevor sie über den verbindlichen Einsatz im ganzen Unternehmen entscheiden.

  • Welche Vorteile bringt es, Arbeit über sogenannte Crowd-Prinzipien zu organisieren?

    Prof. Jan Marco Leimeister: Zu den Hauptvorteilen zählen Flexibilität, Zugang zu Expertise und Schnelligkeit. Organisationen, die Arbeit mit der Crowd organisieren, gewinnen an Flexibilität, z. B. weil sie Abwesenheitszeiten überbrücken oder Lastspitzen besser abfedern können. Sie erhalten Zugang zu Know-how, das in der eigenen Organisation so nicht vorhanden ist.

  • Kann man Crowd-Prinzipien auch innerhalb von Betrieben anwenden und was ist dabei zu beachten?

    Prof. Jan Marco Leimeister: Es gibt bereits einige Beispiele für das sogenannte interne Crowd-Working, auch in Deutschland. Das Potential liegt in der schnelleren und flexibleren Aufgabenbearbeitung, gepaart mit mehr Autonomie der Mitarbeiter, die selbst entscheiden können, wer wann was wie bearbeitet. Das bietet Chancen für Unternehmen und Belegschaft.

    Zu beachten ist aber, dass sowohl seitens der Führungskräfte als auch auf Mitarbeiterebene die notwendigen Voraussetzungen geschaffen werden. Das sind kompatible Ziel- und Führungssysteme auf allen Unternehmensebenen sowie Freiraum, sich solchen Aufgaben widmen zu können, z. B. in einem bestimmten Zeitfenster innerhalb der Arbeitszeit. Erste Unternehmen erproben dies aktuell im Rahmen von Pilotvereinbarungen.