Neues Normalarbeitsverhältnis nach den Wünschen der Beschäftigten gestalten

Der 8-Stunden-Tag und die 35- oder 40-Stunden-Woche sind große soziale Errungenschaften, passen heute aber längst nicht mehr auf jede Lebenssituation. Durch die wachsende Erwerbstätigkeit der Frauen und die Zunahme prekärer Beschäftigung haben sich Parallelwelten von kurzer Teilzeit, Arbeit auf Abruf oder Arbeit ohne Ende mit unbezahlten Überstunden herausgebildet, die nicht zukunftsfähig sind. Teilzeit und prekäre Beschäftigung sind in Deutschland vielfach zur Niedriglohnfalle geworden.

Diesen Bruch zwischen traditionellen Arbeitszeitnormen und neuen Parallelwelten gilt es aufzulösen, ohne dabei den sozialen Schutz des Arbeitszeitgesetzes aufzugeben. Das kann mit einem neuen flexiblen Normalarbeitsverhältnis, in dem man Arbeitszeiten an unterschiedliche Lebenssituationen anpassen kann, gelingen. Teilzeitarbeit wird dann, wie heute schon in Schweden, zu einer unterschiedlich langen Episode in einem flexiblen Erwerbsverlauf. Mehr als 14 Millionen Teilzeitjobs lassen sich damit in ein neues Normalarbeitsverhältnis „eingemeinden“.

Welche Arbeitszeiten aber mit welcher Verteilung über die Woche oder über das Jahr gewünscht werden, ist offen. Vor allem entwickeln sich die Arbeitszeitwünsche durch den Ausbau der Kinder- und Schülerbetreuung oder neue Anforderungen an Weiterbildung weiter. Innovative Unternehmen experimentieren daher etwa mit Wahlarbeitszeiten und neuen Normen, wie kurzer Voll- (30–35 Stunden) oder langer Teilzeit (25–30 Stunden). Diese betrieblichen Experimente sind auszuwerten, um unsere Arbeitszeitregulierungen und auch die Rahmenbedingungen weiterzuentwickeln.