Drei Fragen an Frau Anna Süster Volquardsen von DEAR WORK

  • Sie sind Herausgeberin eines digitalen Magazins rund um das Thema Arbeit, in dem Sie unterschiedliche Ansätze zur Gestaltung von Arbeitswirklichkeiten publizieren. Wie wandelt sich aus Ihrer Sicht die Arbeitswelt?

    Anna Süster Volquardsen: Es drängen neue Werte in unsere Arbeitswelt: Kooperation anstelle von Konkurrenz, Zeit für Familie, Freunde sowie für individuelle Projekte werden immer wichtiger. Kooperatives Denken löst kompetitives Denken ab. Vielen geht es eher darum, das eigene Arbeitsleben flexibel gestalten zu können – abhängig von Lebensphase und individuellen Werten und Bedürfnissen.

    Entscheidend dabei: Immer mehr Menschen artikulieren ihre Ansprüche an die Arbeitswelt. Und immer mehr Firmen verstehen, dass sie sich wandeln müssen. Die Digitalisierung und die zunehmende Dynamik unserer Wirtschaftskreisläufe zwingen sie, agiler in ihren Entscheidungen, flacher in ihren Hierarchien und moderner in ihrer Führungskultur zu werden.

  • In welchen Bereichen haben Sie spannende Versuche beobachtet, neue Arbeitszusammenhänge zu entwickeln?

    Anna Süster Volquardsen: In der Welt der freiberuflichen Wissensarbeiter und Kreativen, in der ich tätig bin, tut sich viel. Wir arbeiten zunehmend zeit- und ortsunabhängig und bilden je nach Aufgabenstellung neue Kooperationen und Teams. Theoretisch könnte dabei alles virtuell stattfinden. Das räumliche Zusammenarbeiten brauchen wir vor allem, weil wir den sozialen Austausch suchen.

  • In welchen Bereichen sehen Sie Bedarf für weitere Experimente?

    Anna Süster Volquardsen: Vor allem klassische Industriekonzerne brauchen mehr Mut. Unternehmenskulturen müssen sich wandeln – Stichwort Vertrauen anstelle von Kontrolle. Unternehmen brauchen Ideen, wie sie neue Wege gehen können. Schichtarbeit beispielsweise ist heute durch den Einsatz von Software stärker mit den Flexibilisierungswünschen von Beschäftigten vereinbar.

    Auch hinsichtlich der „Norm-Arbeitszeit“ sollten Experimente gewagt werden. In einer modernen Arbeitszeitgestaltung müssen 20, 24 oder 32 Wochenarbeitsstunden – oder auch Jobsharing – genauso normal sein wie 40 Wochenarbeitsstunden. Dies würde den sich wandelnden Ansprüchen der arbeitenden Bevölkerung entgegenkommen, nicht nur von Eltern, sondern auch von Personen, die anderen Aufgaben oder Projekten nachgehen möchten. Wir brauchen neue Konzepte und Förderungsmaßnahmen, die die Menschen dabei unterstützen, sich etwas zu trauen und die eigenen Potentiale auszuschöpfen.