Studie "Wertewelten Arbeiten 4.0"

Im Rahmen der Studie „Wertewelten Arbeiten 4.0“ wurden 1.200 Personen auf Basis des Mikrozensus von 2013 über ihre Vorstellungen zum Thema „Arbeit in Deutschland“ befragt.

Unsere Arbeitswelt verändert sich, heute rasanter denn je. Schwere körperliche Arbeit wird automatisiert, mehr und mehr Dienstleistungen werden von leistungsfähigen IT-Systemen übernommen, zunehmend können Wissensarbeiter dank der globalen Vernetzung überall auf der Welt ihr Büro aufschlagen. Aber auch die Ansprüche an Arbeit und Leben und die damit verbundenen Bedürfnisse sind im Wandel. Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf, aber auch Sinnerleben und Selbstverwirklichung scheinen an Bedeutung zu gewinnen. Den Wandel der Arbeitswelt auch im Sinne der Menschen zu gestalten, setzt eine genaue Kenntnis ihrer Wünsche und Ansprüche voraus – dies gilt für Unternehmen, Sozialpartner und die Politik. 

Im Rahmen der vorliegenden Studie „Wertewelten Arbeiten 4.0“ wurden 1.200 Personen (1.000 Erwerbspersonen, zwei Kontrollgruppen á 100 Personen) auf Basis des Mikrozensus von 2013 über ihre Vorstellungen zum Thema „Arbeit in Deutschland“ befragt. In kombiniert quantitativ-qualitativen Tiefeninterviews mit dem Interviewverfahren nextexpertizer wurde repräsentativ erhoben, wie die Befragten die heutige Arbeitswelt erleben und welche Arbeitswelt sie sich für die Zukunft wünschen. Die Studie erfasst nicht nur freie Antworten und Assoziationen, sondern macht dank ihrer innovativen Methode zugleich tieferliegende Wertvorstellungen sichtbar. Das Idealbild von Arbeit, Wünsche und Hoffnungen der Befragten werden ebenso deutlich wie Befürchtungen und Ablehnung. 

Die Studie beleuchtet dabei das Zusammenspiel von verschiedenen Aspekten: Welche Stärken und welche Schwächen hat unsere gegenwärtige Arbeitswelt aus Sicht der Erwerbstätigen? Welche Weichenstellungen der Vergangenheit werden heute als richtig oder falsch wahrgenommen? Wo sehen die Befragten positive Entwicklungen, die gefördert werden sollten? Welchen Veränderungen stehen sie skeptisch gegenüber? Die Studie erfasst auch die intuitiven Bewertungen der befragten und kann so Auskunft über die generellen Werte- und Kulturmuster der Erwerbstätigen in Deutschland geben.

Eines macht die Studie vor allem deutlich: Die Ansprüche an Arbeit pluralisieren sich stark und das über soziodemografische Trennlinien wie Einkommen oder Ausbildung hinweg. Was für die einen wünschenswerte Zukunft ist, stellt für die anderen ein bedrohliches Szenario dar. 

Nur die wenigsten Erwerbstätigen in Deutschland empfinden ihre aktuelle Arbeitssituation als ideal. Lediglich ein Fünftel der Befragten fühlt sich dem persönlichen Idealbild von Arbeit bereits nah. Knapp die Hälfte der Befragten sieht die eigene Arbeitssituation heute weit vom persönlichen Idealbild von Arbeit entfernt.

Der Blick auf die Zukunft ist dagegen optimistischer: Fast die Hälfte der Befragten erwartet, dass die eigene Arbeitssituation im Jahr 2030 nah an ihrem Idealbild liegen wird. Bezogen auf die Arbeitswelt in Deutschland im Jahr 2013 insgesamt, erwartet das noch jeder Vierte. Vor allem was Mitgestaltungs- und Entfaltungsmöglichkeiten anbelangt, haben die Erwerbstätigen in Deutschland durchaus positive Erwartungen an die Arbeitswelt von morgen. 

Weiterhin zeigt die Studie deutlich auf, wie stark sich die Wahrnehmung und Bewertung der Arbeitswelt in der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft von Person zu Person unterscheidet. Die Studie „Wertewelten Arbeiten 4.0“ identifiziert sieben klar unterscheidbare Wertewelten. Diese entsprechen jeweils einer bestimmten, in sich konsistenten und für sich beschreibbaren Sichtweise auf das Thema Arbeit. Bezüglich ihrer handlungsleitenden Einstellungen und Haltungen stehen sich diese sieben Wertewelten zum Teil diametral gegenüber: Während in der Wertewelt DEN WOHLSTAND HART ERARBEITEN das Gefühl vorherrscht, trotz starker individueller Anstrengung nicht immer die entsprechende Anerkennung zu erleben, ist in der Wertewelt ENGAGIERT HÖCHSTLEITUNGEN ERZIELEN die Überzeugung ungebrochen, dass persönliche Erfolge das Ergebnis besonderer individueller Anstrengungen sind. Während in der Wertewelt SICH IN DER ARBEIT SELBST VERWIRKLICHEN eine zunehmende Individualisierung der Arbeitswelt begrüßt wird, vermisst man in der Wertewelt IN EINER STARKEN SOLIDARGEMEINSCHAFT ARBEITEN den Zusammenhalt unter solidarischen Kollegen.

Daraus lässt sich für Akteure in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik die zentrale Schlussfolgerung ableiten, die Differenziertheit der Wertwelten in Inhalt und Ansprache deutlich stärker als bisher zu berücksichtigen.