Virtueller Roundtable mit Achim Hensen

Wie könnte man die Arbeit gestalten, würde man komplett neu denken? Diese Frage haben sich die beiden Geschäftsführer von Traum-Ferienwohnungen.de gemeinsam mit einem externen Coach und einem demokratisch gewählten Kernteam aus sechs Beschäftigten gestellt. Das Ergebnis: weg mit den Hierarchien und Abteilungen, stattdessen funktionsübergreifende Teams, die jeweils alle Kompetenzen – von der Entwicklung über das Marketing bis zum Vertrieb – in sich vereinen.

Wie das genau tagtäglich funktioniert, erklärte Achim Hensen, Organisationsentwicklung und Zusammenarbeit, beim ersten virtuellen Roundtable am 31. August 2017. Per Videochat diskutierte er mit den Teilnehmenden und beantwortete Fragen zum Experimentierraum.

Hier einige ausgewählte Fragen und Antworten:

  • Ist aus Ihrer Sicht ein solcher Prozess, den Ihr Unternehmen durchlaufen hat, für jedes Unternehmen und jede Organisation, also z.B. auch für die Öffentliche Verwaltung, denkbar?

    Achim Hensen: Im Prinzip ist dieser Prozess in jedem Unternehmen und jeder Organisation umsetzbar. Wichtig ist, dass man das gemeinsam angeht, Schritt für Schritt denkt und seinen ganz eigenen Weg, seine eigene Lösung findet. Es gibt keine Blaupause, aber viele gute Inspirationsquellen.

  • Ist jeder Typ Mitarbeiter für diese Art des Arbeitens geeignet?

    Achim Hensen: Eine wichtige Voraussetzung ist, dass man offen für den Umgang mit unterschiedlichen Wahrnehmungen ist und akzeptiert, dass es andere Meinungen gibt. Zu den Voraussetzungen gehören auch: eine hohe Teamfähigkeit, der Wunsch, Verantwortung zu übernehmen und ein sehr offener Umgang mit Konflikten. Ob ein Mitarbeiter zu uns passt oder nicht, wird seit unserer Umstellung sehr schnell deutlich – für beide Seiten.

  • Wie gestalten Sie das Onboarding neuer Mitarbeitenden?

    Achim Hensen: Unsere interdisziplinären Teams stellen neue Mitarbeitende selbst ein. Für den Einstieg gibt es neben Grundschulungen, zum Beispiel zu Themen wie Kommunikation, Feedback, Struktur und Entscheidungsfindung, ein Buddysystem. Außerdem führt das Team mit jedem neuen Kollegen drei Feedbackgespräche in der Probezeit. Hier geht es darum, wie man sich gegenseitig wahrnimmt, seine Rolle erfüllt und wie man sich fühlt.

    Ob Arbeitsverhältnisse weiterlaufen oder beendet werden, entscheidet im Übrigen auch das Team gemeinsam. Falls es mal nicht passt und man unzufrieden ist, gibt es auch die Möglichkeit auf andere Teams zuzugehen. Wenn es Sinn macht, schreiben wir Stellen erst einmal intern aus, bevor wir auf dem Markt suchen.

  • Sind Sie als Unternehmen gut durch den Prozess der Umstrukturierung gekommen? Wie viele Mitarbeitende haben Sie durch die Umstellung verloren? Sind Ihre früheren Führungskräfte geblieben?

    Achim Hensen: Unsere ehemaligen Führungskräfte sind noch alle da. Insgesamt haben wir durch seit der Umstellung 10 bis 15 Mitarbeitende verloren. Ich denke aber nicht, dass es an der neuen Struktur direkt lag, sondern eher an Konflikten und Störungen, die dadurch transparent geworden sind. Am Ende war es für alle Beschäftigten ein offener Prozess, aber auch sehr herausfordernder Prozess. Denn jeder musste sich damit auseinandersetzen, wo er steht, was er will, wo es hingehen soll.

    Es ist nichts für jeden – muss es auch nicht – aber wir haben einige Kollegen, die ganz klar sagen, dass sie sich nicht vorstellen können, in einer anderen Organisation zu arbeiten. Und wir haben Kollegen, die gegangen und wiedergekommen sind.