Pflege-Prävention 4.0

Gesund und glücklich in der Pflege: Ein Berufsfeld attraktiver gestalten

Die Arbeit in der Pflege gilt in Deutschland als besonders belastend: Wechselnde Schichten, schwere körperliche Arbeit und starre Arbeitsbedingungen schrecken viele Menschen davon ab, einen Pflegeberuf zu erlernen. Dass es jedoch auch anders geht, beweist das gemeinnützige Unternehmen St. Gereon Seniorendienste schon seit vielen Jahren. Wenig Fehlzeiten und ein zufriedenes Team zeigen, dass es sich lohnt, in die Gesundheit und das Wohlbefinden seiner Beschäftigten zu investieren.

Ein kontinuierlicher Austausch mit den Beschäftigten zeigte zum Beispiel, dass sich viele eine flexible Zeiteinteilung wünschen. Tatsächlich war die Auflösung der starren Arbeitszeiten dann auch wesentlich einfacher als zunächst gedacht: Mitarbeitende in bestimmten Bereichen können heute ihre Arbeitszeit selbst einteilen. Ein Beispiel ist die außerklinische Intensivpflege: Pflegekräfte können sieben Tage am Stück arbeiten und dann sieben Tage frei nehmen. Auch Zehn-Stunden-Schichten sind auf Wunsch möglich.

Um neben regelmäßig geführten Mitarbeitergesprächen die individuelle Betreuung der Beschäftigten weiterzuentwickeln, nahm das Unternehmen darüber hinaus an dem Projekt „Pflege-Prävention 4.0“ teil, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wurde. Im Zentrum des Projektes standen Mitarbeiterbefragungen, die Belastungen im Arbeitsalltag und mögliche Lösungsansätze zum Thema hatten. Sie brachten überraschende Ergebnisse: Statt des Pflegepersonals fühlten sich bei St. Gereon vor allem Hauswirtschaftskräfte (Reinigungspersonal) belastet. Die Lösung des Problems: Das Unternehmen verzichtet im Bereich der Hauswirtschaft nun vollständig auf feste Dienstpläne. Darüber hinaus hatten die Beschäftigten die Möglichkeit, an einem Coaching-Wochenende teilzunehmen.

St. Gereon nutzte das Präventionsprojekt außerdem, um eine Best-Practice-Recherche zu Arbeitsbedingungen schwedischer Pflegeunternehmen in Auftrag zu geben. Ziel war es, mit dem Blick ins Ausland neue Ideen für eigene Präventionsprojekte zu entwickeln. Auf besonderes Interesse stieß das Prinzip der Stellenrotation: Wer mit seinem Arbeitsplatz oder seiner Aufgabe nicht zufrieden ist, kann in Schweden leichter in einen anderen Bereich wechseln. Dieses Angebot versuchte auch St. Gereon zu etablieren, es stieß aber bisher auf keine große Resonanz.


Die Arbeit in der Pflege kann erfüllend und fordernd zugleich sein. Oft haben schon kleine Veränderungen in der Arbeitsgestaltung großen Einfluss auf Gesundheit und Wohlbefinden der Pflegenden. Das Projekt Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt (psyGA) der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales unterstützt Unternehmen dabei, ein wirkungsvolles Stress- und Gesundheitsmanagement zu entwickeln. Wie Einrichtungsleitungen den Gesundheitsschutz ihrer Beschäftigten verbessern können, erfahren sie in der psyGA-Handlungshilfe für Pflegeeinrichtungen. Mehr Informationen dazu finden Sie unter: www.psyga.info/pflege