Der F-Kurs – Führungskultur 4.0

Um schneller und effizienter zu werden, startete die Deutsche Lufthansa AG 2015 eine umfassende strukturelle und personelle Reorganisation. Dies brachte neue Herausforderungen für die Führung mit sich. Deshalb überarbeitete das Unternehmen einen innovativen Führungskräfte-Kurs, den sogenannten F-Kurs. Dabei hat sich die Lufthansa bewusst entschieden, Fortbildungen zu entzerren. Seit zwei Jahren gibt es ein spezielles Entwicklungsprogramm für engagierte Manager der mittleren Führungsebene, welches einmal im Jahr in zeitversetzten Moduleinheiten von einigen Tagen stattfindet. Die knapp 30 teilnehmenden Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen werden dabei aus den größten Gesellschaften der Lufthansa Group heraus nominiert.

Die aktuellen F-Kurse folgen einer völlig neuen Philosophie. Im Gegensatz zum Frontalprogramm früherer Zeiten steht nun der gestaltende Charakter im Vordergrund. Die Teilnehmer sollen Akteure sein. Unter dem Titel „Multiplikatoren für den organisatorischen und kulturellen Wandel“ wird ihnen ein Lern- und Experimentierraum zur Verfügung gestellt, der ihnen erlaubt, initiativ und individuell Inhalte des Programms selbst einzubringen, zu erarbeiten und in den eigenen Führungsalltag zu integrieren. Dabei werden die Teilnehmer von einem professionellen Trainerteam begleitet.

Die Lufthansa löst sich zunehmend vom klassischen Hierarchiegedanken und setzt verstärkt auf Agilität. Dieser Paradigmenwechsel spiegelt sich auch im interaktiven Konzept des neuen F-Kurses wider: Der lernende Führungsnachwuchs soll nicht länger auf den passiven „Kinostuhl“ verbannt werden, sondern aktiv im „Fahrersitz“ Platz nehmen. Das Format überlässt den Teilnehmern gleich zu Beginn eine Teilverantwortung für die Auswahl und Bearbeitung der für sie relevanten Themen. Hierfür kommt ein analoger "App-Space" zum Einsatz. Wie bei der "Open Space"-Methode werden Themen interaktiv gesammelt und individuell priorisiert. Es gibt keine definierten oder zugeordneten Rollen, individuelles und eigenverantwortliches Verhalten steht im Vordergrund. Die Teilnehmer können verschiedene ein- bis anderthalbstündige Module – "Apps" genannt – wählen. Beispiele für solche Module sind der "Umgang mit Work-Life-Balance" oder die "effizientere Nutzung digitaler Ressourcen", aber auch Unternehmensbesuche, Rollenspiele, kollegiale Fallberatung, "Design Thinking" oder "Serious Play". Die besondere Herausforderung besteht für die Teilnehmer darin, diesen Freiraum selbst zu gestalten – durch eigene Themenvorschläge, die Auswahl und Bearbeitung in kleinen Gruppen oder auch im Plenum. Bei mehrheitlichem Wunsch wird jedes erdenkliche Thema aus dem Themenfeld Führung aufgegriffen.

Beim F-Kurs der Lufthansa geht es primär darum, zu lernen, wie man Unerwartetes gestaltet. Wie der moderne Arbeitsalltag, enthält das Format disruptive Elemente: Die Agenda ist nur teilweise vorgegeben und bietet Raum und Zeit für individuelle Eingaben. Es werden immer wieder neue Impulse gesetzt, die die Teilnehmer aus ihren Gewohnheiten herausholen. Die Teilnehmer lernen in einem vertrauten Umfeld, dürfen Schwächen offenlegen und können Probleme in einem geschlossenen Raum kommunizieren.

Auch wenn das Format zunächst für Manager der mittleren Führungsebene vorgesehen ist, bleibt es nicht ohne Breitenwirkung: Der Transfer neuer Impulse wird während und nach der Programmphase in individuellen Experimenten zeitnah und effektiv in die betriebliche Praxis integriert und bei Bedarf durch Kollegen aus der Gruppe oder durch externe Trainer begleitet. Der "App Space" konnte immer wieder aus dem F-Kurs heraus in den Arbeitsalltag der Teilnehmer integriert werden und auch die Experimente wurden außerhalb der Plattform fortgesetzt und kulminierten abschließend in einer Großveranstaltung. Auf diese Weise gelang es den Teilnehmern, angestoßene Prozesse weiterzuführen und als Multiplikatoren weitere Kollegen zu involvieren. Insbesondere die kurzen Schulungsintervalle haben sich als besonders geeignet erwiesen, um das Erlernte regelmäßig und schnell in die Berufspraxis zu integrieren. Erfahrungen und Ergebnisse aus den Experimenten werden im Teilnehmernetzwerk kommuniziert und reflektiert. Feedbacks durch Vorgesetzte, Coaches, Mitarbeiter und Kunden runden den Reflektionszyklus ab. Um eine noch höhere Breitenwirkung zu erzielen, werden im Rahmen der letzten Schulungseinheit des Programms zudem bewusst weitere Kollegen und Vorgesetzte zu einem "Gästeblock" eingeladen. Der Kurs öffnet sich dann für Interessierte aus allen Hierarchieebenen und Bereichen des Unternehmens.


Unterstützung beim Thema Gute Führung bietet auch die Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Mit dem INQA-Check "Personalführung" können Unternehmen prüfen, wo die Stärken und Schwächen ihrer Personalführung liegen und Bereiche identifizieren, in denen es Potenzial für Verbesserungen gibt. Mehr Informationen dazu finden Sie unter: www.inqa-check-personalfuehrung.de.