Ideenwettbewerb "Kickbox": Beschäftigte gründen Start-ups im Unternehmen

Dräger soll innovativer werden – und das, obwohl das Lübecker Unternehmen im sehr regulierten Bereich der Medizintechnik tätig ist. Für sein Vorhaben setzt Dräger auf die Ideen der eigenen Beschäftigten. Im Rahmen von jährlich veranstalteten "Kickboxen" – Ideenwettbewerben, bei denen neue Produkte entwickelt werden – können Mitarbeitende ein sogenanntes Corporate Start-up gründen und Geschäftsführende ihrer eigenen Ideen werden.

Freiraum und Unterstützung für die Ideen von Mitarbeitenden schaffen

Initiiert wurde der Wettbewerb von einem vierköpfigen Öffnet externen LinkInnovationsteam. Sein erklärtes Ziel war nicht weniger als ein Kulturwandel. Schon früh ging das Team auf den Betriebsrat zu, um gemeinsam die Richtung dieses Kulturwandels zu definieren. Ihre These: Die Mitarbeitenden kennen die Kundenprobleme am besten und können passende Lösungen finden. Das Problem in großen Unternehmen ist jedoch oft, dass viel Geld in ein bestehendes Produktportfolio investiert wird und nur wenig für neue, bahnbrechende Produktideen übrig bleibt.

Dräger will es besser machen – mit Corporate Start-ups. Das bedeutet, dass innerhalb des Unternehmens für die Umsetzung neuer Produktideen einzelne interne Start-ups gegründet werden. Der Vorteil: Es kann auf bereits im Betrieb bestehende Strukturen zurückgegriffen werden, anstatt Dienstleistungen extern einkaufen zu müssen.

Mitarbeitende sehen Rot: Aufruf zum Ideenwettbewerb "Kickbox"

Um die Mitarbeitenden zu informieren und zu motivieren, startete das Unternehmen ein "Kickbox"-Programm. Es wurde ursprünglich von der Firma Adobe entwickelt und liefert eine sechsstufige Schritt-für-Schritt-Anleitung, um eigenständig neue Lösungen zu entwickeln, deren Kundenakzeptanz zu validieren und neue Geschäftspotenziale abzuschätzen. Dazu erhalten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine kleine rote Schachtel, die alle dafür notwendigen Tools enthält.

Um die Aufmerksamkeit der Beschäftigten zu gewinnen, ließ sich das Innovationsteam etwas Ungewöhnliches einfallen – und setzte dabei ganz auf die Farbe Rot: Mit rötlich gefärbtem Reis in der Kantine, rotem Toilettenpapier und einem rot besprühten Boden warb das Team für das "Kickbox"-Programm. Kaum einer, der sich nicht über die seltsamen Vorgänge im Unternehmen wunderte. Kurz darauf löste eine große Informationsveranstaltung das Rätsel auf. Jeder war aufgerufen, seine Idee einzureichen.

In sechs Schritten zur innovativen Geschäftsidee

Zwei Fragen sind dabei maßgebend: Was ist das Problem der Kundinnen und Kunden? Und was hat Dräger davon, dieses Problem zu lösen? Geleitet von diesen beiden Fragen reichten 220 Beschäftigte ihre Ideen für die "Kickbox" ein. 180 von ihnen kamen zu einem zweitägigen Kick-off und wurden auf die sechs Schritte der "Kickbox"-Methode trainiert. Im Anschluss hatten die Ideengeberinnen und Ideengeber zehn Wochen Zeit, ihre Ansätze weiterzuentwickeln und sich Kundenfeedback einzuholen. Bis zu 20 Prozent der eigenen Arbeitszeit und 1.000 Euro durfte jeder dafür aufwenden. Zudem bekamen die Teilnehmenden Pitch-Trainings und Hilfestellungen bei Round Tables mit dem Innovationsteam. An dieser Stelle hörten auch einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf, weil sie mit der Entwicklung nicht weiterkamen oder nicht genügend Kundenvalidierungen einholen konnten.

Die mehrwöchige Entwicklungsphase endete schließlich im "Shark Tank", einer Veranstaltung, bei der die 18 verbliebenen Teilnehmenden ihre Idee vor einer Jury präsentierten. Schließlich wählte eine definierte Gruppe vom Top-Management sechs Ideen aus, die zu Corporate Start-ups ausgebaut wurden. Einige von ihnen bestehen heute noch, ein Bewegungsmelder mit Babyphonfunktion, der auf der "Kind + Jugend" 2018 erstmals vorgestellt wird und für einen Innovation Award der Messe nominiert ist.

Zwei Chemiker von Dräger erkannten außerdem das Problem, dass ausströmende Gase wie Formaldehyd oder Benzol, die schon in minimaler Menge zu Krebs führen können, in den entsprechenden Konzentrationen meist nur im Labor unter großem Aufwand gemessen werden können. Jetzt entwickeln sie ein Gerät, das eine elektronische Messung vor Ort ermöglichen soll.

Freiräume für eine neue Unternehmenskultur

Einen Raum, der Öffnet externen LinkPlatz zum kreativen Arbeiten bietet, finden alle Mitarbeitenden von Dräger in der "Garage". Dieser Kreativraum ist eigentlich eine alte Werkhalle, die mit geringem Budget umgebaut wurde. Sie ist ausgestattet mit großen Displays, Kameras und Wänden, an denen Ideen aufgemalt werden können. Die jährlichen "Kickboxen" haben sich inzwischen etabliert. Trotzdem möchte das Innovationsteam weg vom Event-Charakter und Beschäftigte stattdessen ermutigen, wann immer sie wollen, mit einer Idee zu ihm zu kommen und Unterstützung einzufordern.

Dräger achtet darauf, dass neue Entwicklungen früh und offen kommuniziert werden. So können alle im Unternehmen daran teilhaben. Schon jetzt hat Innovation einen viel größeren Stellenwert in der Unternehmenskultur erreicht.