Qualifizierung 4.0: AppHacks und Product Development Labs stärken Innovationskompetenz

Die Deutsche Börse AG startete im Jahr 2017 den innovativen Ideen- und Programmierwettbewerb AppHack sowie das virtuelle Co-Working-Format Product Development Lab, um so die Innovationskompetenzen der Beschäftigten und der Organisation auszubauen und auf die Herausforderungen der Digitalisierung besser reagieren zu können. Mit den neuen Formaten erhalten die Mitarbeitenden die Möglichkeit, außerhalb des Tagesgeschäfts neue Methoden der Produkt- und Systementwicklung sowie des Projektmanagements zu erlernen.

Arbeiten 4.0: traditionelle Strukturen überwinden

Initiiert wurden beide Projektvorhaben von der Geschäftsführung. Im Zuge eines umfassenden Modernisierungsprozesses sollen sie dazu beitragen, klassisch strukturierte Arbeitsmodelle nach dem Top-Down-Prinzip, die der Schnelllebigkeit einer digitalisierten Arbeitswelt nicht mehr gerecht werden, zu überwinden und durch neue, agilere Methoden zu ersetzen. Die Mitarbeitenden und auch der Kunde werden dabei stärker in den Mittelpunkt gerückt und gestalten aktiv mit. So sind Agilität und Effektivität sowie die Weiterentwicklung der Fähigkeiten von Beschäftigten entscheidende Faktoren der Transformation. Als Vorbild dienen dabei besonders junge FinTech-Unternehmen aus dem Silicon Valley.

AppHacks: interdisziplinäre Teams im Ideenwettbewerb

Der AppHack ist ein für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter offener Ideen- und Programmierwettbewerb, bei dem die Teilnehmenden in selbst gebildeten, interdisziplinären Teams innovative Lösungen für reale Problemstellungen entwickeln. Diese werden entweder von der Geschäftsführung oder den Beschäftigten selbst eingebracht. Möglichkeiten dazu bieten das Intranet sowie regelmäßige Veranstaltungsformate, bei denen Themen und Ideen vorgestellt und besprochen werden. Bei den Aufgabenstellungen geht es sowohl um die Ausarbeitung von Konzepten als auch um die Erstellung neuer Software-Prototypen.

Grundsätzlich besteht für jede Mitarbeiterin und jeden Mitarbeiter die Möglichkeit, an einem AppHack teilzunehmen. Es bewerben sich weitgehend Öffnet internen Linkselbst organisierte Teams, bestehend aus zwei Personen – in der Regel einem Themen- und einem IT-Experten. Die Teams arbeiten dann über eine Laufzeit von vier Wochen eigenständig und intensiv zusammen. In der Anfangsphase betreuen Projektleitende die Projektgruppen mit einem wöchentlichen Jour fixe. Mit voranschreitender Laufzeit wächst die Autonomie des Teams. Die Arbeit für den Wettbewerb leisten die Teilnehmenden freiwillig und zusätzlich zu ihren regulären Aufgaben. Anders als bei sogenannten Hackathons steht bei den AppHacks die zielgerichtete Entwicklung marktfähiger Produkte im Fokus.

Product Development Labs: kollaborativ zum Erfolg

Im Rahmen von sogenannten Product Development Labs entwickeln Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus verschiedenen Geschäftsbereichen des Unternehmens innerhalb eines bestimmten Zeitraums konkrete innovative Produkte, sogenannte Minimum Viable Products (MVP). Als Minimum Viable Products (wörtlich "minimal überlebensfähige Produkte") bezeichnet man erste funktionsfähige Iterationen eines Produkts, um mit möglichst geringem Aufwand den Kundenbedarf zu erfüllen. Anders als die AppHacks sind die Product Development Labs auf einen längeren Zeitraum – in der Regel vier Monate – angelegt und finden in interdisziplinär zusammengesetzten Projektteams mit bis zu zehn Beschäftigten statt. Die durchzuführenden Initiativen wählt ein Lenkungsausschuss aus, der aus Mitgliedern des oberen Managements besteht. Bei Bedarf erhalten die Teams zudem professionelle Unterstützung eines auf Digitalisierung spezialisierten Beratungsunternehmens.

Jede Initiative folgt einer festgelegten Produktentwicklung entlang einer Design-Thinking-Methode. Am Ende des Prozesses stehen das Design und ein Implementierungsplan für den MVP. Mithilfe agiler Softwareentwicklung wird anschließend der MVP umgesetzt und gemeinsam mit den Nutzerinnen und Nutzern iterativ zu einem finalen Produkt weiterentwickelt. Die Umsetzung erfolgt ausschließlich auf Basis von Cloud-Computing-Plattformen, wobei Automatisierung eine entscheidende Rolle spielt. Ziel ist, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Prozess größtmögliche Flexibilität zu geben. Hierzu gehören auch digitale Kommunikations- und Kollaborationstools, die eine standortübergreifende Zusammenarbeit der zumeist virtuellen Projektteams ermöglichen. Darüber hinaus stehen den Teilnehmenden flexibel ausgestattete Öffnet internen LinkInnovationsräume vor Ort zur Verfügung.

Sofern das Team im Zuge des Prozesses feststellt, dass ein Thema nicht den erwarteten Erfolg verspricht, wird die zeitnahe Einstellung des Ansatzes ebenso als Erfolg gewertet wie eine gelungene Umsetzung und Einführung. Scheitern ist also durchaus erlaubt.

Anders als bei den AppHacks werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Arbeitsphase in den Labs vorübergehend freigestellt. Sie erlernen den Umgang mit innovativen Techniken und modernen Tools des Projektmanagements und sind nach der Arbeitsphase in den Labs in der Lage, neue Aufgaben und Bereiche zu übernehmen.

Einbindung der Mitarbeitenden

Mit Experimentierräumen wie den AppHacks und Product Development Labs zielt die Deutsche Börse AG unter anderem darauf ab, ihre Attraktivität als Arbeitgeber zu stärken und insbesondere den Bedürfnissen junger Nachwuchskräfte zu entsprechen. Aber auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die schon lange im Unternehmen arbeiten, will die Deutsche Börse AG mitnehmen. Um möglichst alle „abzuholen“, setzt die Führung im Unternehmen auf umfassende Information und einen wertschätzenden Umgang. Teilnehmende eines AppHacks werden beispielsweise in die Sitzung der Geschäftsführung eingeladen, um dort ihre Lösungsvorschläge zu präsentieren. Darüber hinaus werden die Programmierwettbewerbe durch intensive Kommunikation über neue Kommunikationsmethoden begleitet. Die Teams der Product Development Labs stellen ihre Arbeit zudem regelmäßig auf Informationsveranstaltungen für Mitarbeitende vor.

Agilität fördern: Erste Schritte sind geschafft

Die Deutsche Börse AG sieht in der Entwicklung zu einem agileren Unternehmen eine übergeordnete Aufgabe. Die beiden Experimentierräume AppHack und Product Development Lab sind hierfür ein wichtiger Schritt. Dennoch steht das Unternehmen erst am Anfang der arbeitsorganisatorischen Erneuerung. Ziel ist es, effektive Organisationsformen und innovative Arbeitsweisen dauerhaft im gesamten Unternehmen zu etablieren. Die Bereiche Personalmanagement und Innovationsmanagement begleiten die Experimentierräume und evaluieren, welche Ansätze sich gut eignen.