Drei Fragen an Ulrich Weber, Personalvorstand, und Jens Schwarz, Vorsitzender des Konzernbetriebsrats

  • Welchen Beitrag leistet das Projekt für die neuen Arbeitswelten?

    Ulrich Weber: Die Arbeitswelten bei der Deutschen Bahn unterliegen einem tief greifenden Wandel durch die Digitalisierung und die veränderten gesellschaftlichen Werte. Damit einher geht der Trend zu einer stärkeren Individualisierung von Arbeitsformen und -bedingungen. Die betriebliche Mitbestimmung muss beiden Trends Rechnung tragen – sonst kann sie ihre wichtige Aufgabe nicht mehr erfüllen. Sie muss sich weiterentwickeln, ohne ihren Kern zu verlieren. Warum? Weil wir gute Mitbestimmung brauchen – sie ist Ausdruck der Demokratie in Deutschland und integraler Bestandteil unserer Unternehmenskultur.

    Wir zeigen in unserem Projekt „Mitbestimmung PLUS“ gute Beispiele dafür, wie es gelingt, auch in einer agileren, komplexeren Unternehmenswelt flexibler zu werden, ohne Mitbestimmungs- und Mitwirkungsrechte zu beschneiden. Im Mittelpunkt unseres Projektes steht, als Partner im Dialog „auf Augenhöhe“ Mitbestimmung auf der Basis gemeinsamer Grundsätze zukunftsfest und passgenau zu gestalten.

  • Wie wird sich die Zusammenarbeit von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite mit der Zeit verändern?

    Jens Schwarz: Das Projekt ändert nichts an der gesetzlich verankerten Aufgabe der Interessenvertretung. Die Mitbestimmung wird weder aufgeweicht noch darf die Interessenvertretung von der Digitalisierung getrieben oder gar ausgehebelt werden. Vielmehr geht es darum, die Zusammenarbeit künftig so zu gestalten, dass wir die Chancen von digitalen Prozessen und Arbeitsformen dazu nutzen, um Flexibilität und Beteiligungsqualität zu erhöhen und dadurch eine breite Akzeptanz der betrieblichen Mitbestimmung auch für die Zukunft abzusichern.

  • Was sind aus Ihrer Sicht die Erfolgsfaktoren, damit „Mitbestimmung PLUS“ gelingt?

    Jens Schwarz: Die Neuerungen müssen sowohl für die Betriebsräte als auch für die Beschäftigten konkrete und spürbare Verbesserungen und Beständigkeit mit sich bringen. Gleichzeitig ist klar, dass wir uns immer im bestehenden rechtlichen Rahmen bewegen – das ist auch wichtig für jene, die Sorge haben, durch die Modernisierung werde die Mitbestimmung eingeschränkt.

    Ulrich Weber: Wir wollen die Mitbestimmungskultur in unserem Unternehmen angesichts der Transformationsprozesse und neuer Formen der Kommunikation und Interaktion öffnen. Das erfordert viel Fingerspitzengefühl, nicht zuletzt in der internen Kommunikation. Entscheidend wird auch sein, dass es uns gelingt, die nebeneinander bestehenden Bedürfnisse nach individueller und kollektiver Mitbestimmung in Einklang zu bringen.