Der Kreativraum: flexibel gedacht, flexibel gemacht

Schneller, kreativer, agiler – so sollen Arbeitsprozesse bei den Berliner Wasserbetrieben AöR in Zukunft aussehen. Deshalb hieß es 2017: raus aus dem klassischen Besprechungsraum und rein in eine Umgebung, die zum Austauschen und kreativen Ausprobieren einlädt. So entstand – basierend auf den Ideen und Wünschen der Beschäftigten – der „Kreativraum“. Mit ihm wurde nicht nur ein Ort für das Erarbeiten neuer Ideen geschaffen, sondern auch ein Wechsel der Arbeitsweise eingeführt. Im Mittelpunkt stehen moderne Projektmethoden wie Design Thinking, mit denen eine neue Dynamik ins Unternehmen eingezogen ist.

Digitale Kompetenzen stärken

Die Berliner Wasserbetriebe sind das größte integrierte Wasserversorgungs- und Wasserentsorgungsunternehmen in Deutschland. Seit mehr als 150 Jahren versorgen sie Berlin und Teile Brandenburgs mit Wasser und kümmer sich um die Abwasserentsorgung. Die Digitalisierung verändert – wie in vielen Branchen – auch hier die Arbeitsprozesse und bringt neue Herausforderungen mit sich. Deshalb haben die Wasserbetriebe Anfang 2017 das „Center of Excellence – Digitalisierung“ eingerichtet. Die von den Unternehmenszielen abgeleitete Aufgabe dieses Kompetenzzentrums ist es, die Digitalisierung in alle Unternehmensbereiche zu bringen und Digitalisierungsexpertinnen und -experten innerhalb des Unternehmens zu vernetzen. Bedarfe, vor allem zu bereichsübergreifenden Themen, werden gebündelt, koordiniert und Lösungen weiterentwickelt.

Ausstattung für den kreativen Prozess

Damit das Digitalisierungsprojekt zum Erfolg wird, musste ein passendes Umfeld her, ein Raum mit Werkstattcharakter. Die erste Idee kam von Beschäftigten, denen auffiel, dass ein großer Raum im Gebäude leer steht und dieser für ein bereichsübergreifendes Arbeiten genutzt werden kann. Für die Mitarbeitenden war wichtig, dass der Raum über die rein funktionale Technik hinaus auch eine "Wohlfühl-Atmosphäre" bieten soll. Deshalb wurde für eine Tischtennisplatte, eine Sitzecke mit Polsterelementen und Sitzsäcken sowie für eine professionelle Kaffeemaschine gesorgt.

Zur Ergänzung holte sich das Unternehmen Inspiration beim Hasso-Plattner-Institut in Potsdam in einem gemeinsamen Design-Thinking-Workshop. Durch diese Kombination entspricht der "Kreativraum" den Bedürfnissen der Beschäftigten: Er ist flexibel und individuell gestaltbar, damit sich der Geist von den im Alltag bestehenden Barrieren lösen kann. Es gibt verschiebbare Tische, PC-Arbeitsplätze, abtrennbare Räume, Sitzecken und einen offenen Großraum. Ideen für neue digitale Lösungen können sofort an Smartboards, beschreibbaren Glaswänden und Flipcharts visualisiert werden.

Identifikation und Offenheit

Der Raum steht allen Beschäftigten jederzeit offen und es finden Workshops, agile Projektsitzungen und Präsentationen des "Center of Excellence" im "Kreativraum" statt. Für ein erfolgreiches Arbeiten im "Kreativraum" sind zwei Dinge entscheidend: die Identifikation mit dem Projekt und Offenheit. Daher kommen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den verschiedenen Abteilungen zusammen, um gemeinsames Wissen zu nutzen und übergreifende Lösungen zu finden. Erfolge werden über das Intranet und die Beschäftigtenzeitung nach innen sowie über die Website und Social-Media-Kanäle nach außen kommuniziert: So macht das Unternehmen sie transparent und schafft Identifikation mit dem Projekt.

Innovation trotz Spielregeln

Seit der Entstehung des Raumes haben sich neue digitale Arbeitsmethoden in den Teams etabliert, wie zum Beispiel bei der Steuerung von Abwasserströmen. Ein Team erarbeitete einen Prototypen einer interaktiven Echtzeit-Karte des Netzes der Abwasserdruckrohrleitungen. Mithilfe der IT-Expertinnen und -Experten sollen sich zukünftig die Beschäftigten Förderleistungen und Netzauslastungen digital ansehen und bei Problemen – etwa bei Rohrbrüchen oder Starkregen – sofort Veränderungen vornehmen können. Auch die Digitalisierung des Hausanschlussprozesses und die Entwicklung von einem neuen Kundenportal sowie von Web-based Trainings für Beschäftigte fanden anhand von Prototypen statt, die im ständigen Austausch zwischen den beteiligten Expertinnen und Experten immer weiterentwickelt wurden.

Alles wird dynamischer, schneller – dabei müssen sich die Berliner Wasserbetriebe als Landesbetrieb an bestimmte Rahmenbedingungen halten. Bislang konnte das Unternehmen die Veränderungen trotz dieser Anforderungen erfolgreich integrieren. Es zeigt sich, dass gesetzliche Vorgaben und innovatives Arbeiten keine Gegensätze darstellen. Obwohl der Kreativraum noch nicht lange besteht, durchdringen die neuen Arbeitsmethoden bereits das gesamte Unternehmen. Betroffene wurden zu Beteiligten, die sich auf konstruktive Veränderungen einlassen. Viele Kolleginnen und Kollegen haben Spaß an der kreativen und innovativen Arbeit und verändern damit die Unternehmenskultur auf allen Ebenen. Die neue Art der Zusammenarbeit wird zudem aktiv vom Gesamtvorstand unterstützt.