Praxislaboratorien: Wissensarbeit im agilen Unternehmen der Zukunft gestalten

Der Bauplan für die digitale Transformation bei der Robert Bosch GmbH sieht neben agilen Arbeitsmethoden wie Scrum oder Design Thinking auch systemisch integrierte Organisationsstrukturen und ein völlig neues Verständnis von Wissensarbeit als kollaborativen, transparenten und vernetzten Prozess vor. Um diese Veränderungsprozesse bestmöglich auf die Mitarbeiterbedürfnisse auszurichten, setzt Bosch am Standort Abstatt „Praxislaboratorien“ ein, die das Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung e.V. (ISF) München entwickelt hat. Ein zentrales Ziel der Laboratorien besteht darin, Arbeitsbedingungen vor dem Hintergrund eines sich veränderten Unternehmens zu evaluieren.

Gemeinsamer Reflexionsraum: Beschäftigte diskutieren mit Führungskräften

In den Praxislaboratorien erproben zwei Vorreiterteams aus den Bereichen Vertrieb und Entwicklung neue Arbeits- und Organisationsformen der Wissensarbeit und agile Methoden und Arbeitsprozesse. Dabei findet ein kontinuierlicher Austausch mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des ISF, der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und mit der IG Metall statt. Anhand konkreter Beispiele aus der eigenen Arbeitspraxis reflektieren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Betriebsräte gemeinsam mit Führungskräften ihre Erfahrungen mit Agilität und identifizieren Handlungsfelder, die im Laboratorium bearbeitet werden sollen. Dabei gehen sie nach Scrum agil vor, setzen ihre Ziele und verantworten die Arbeitsplanung und -durchführung selbst und stellen sich in Acht-Wochen-Sprints jeweils neuen Gestaltungsaufgaben. Diskutiert werden beispielsweise Fragen wie: „Wie soll die Rolle des ‚Scrum Master‘ oder des ‚Product Owner‘ aussehen?“ und „Welche Qualifikationen braucht es für welche Rolle?“

Experimentieren in gewachsenen Strukturen

Die Praxislaboratorien basieren auf der Überzeugung, dass der digitale Wandel in gewachsenen Strukturen der Organisation nur unter Beteiligung der Beschäftigten sowie der Arbeitnehmervertretung nachhaltig gestaltet werden kann. Ganz bewusst hat Bosch dabei versucht, keinen Sonderbereich zur Erprobung neuer Arbeitsstrukturen und -methoden zu schaffen, sondern den Beschäftigten im laufenden Betrieb die Möglichkeit zu geben, Erfahrungen mit neuen Prozessen zu sammeln und eigenverantwortlich Lösungen für Probleme zu finden. Dafür bot sich der Standort Abstatt an, wo unter anderem hochmoderne Fahrerassistenzsysteme entwickelt werden und der zentrale Geschäftsbereich der Fahrzeugtechnik eine besonders hohe Dynamik und Innovationsdichte aufweist.

Lehren aus dem Experiment

Ein Fazit, dass die Robert Bosch GmbH aus der Umsetzung der Praxislaboratorien zieht, ist, dass wichtige und lehrreiche Diskussionen angestoßen werden konnten, aber den Beschäftigten für die Umsetzung ausreichend Arbeitszeit zur Verfügung stehen muss. Anfangs lag eine Herausforderung darin, genügend Teilnehmerinnen und Teilnehmer für die Praxislaboratorien zu gewinnen, weil viele die Sorge hatten, nicht genug Zeit für die Umsetzung zur Verfügung zu haben.