Virtueller Roundtable mit Martin Ulses und Dominik Roth

Sehr viele Überstunden, Unzufriedenheit bei den Beschäftigten, Konflikte zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat: Die AWO Unterfranken musste vor diesem Hintergrund neue Wege einschlagen. Die Lösung lag in der Einführung integraler Arbeitszeitkonten, welche Kurz-, Flexi- und Langzeitkonten intelligent miteinander verzahnen. Kombiniert wurde dies mit einem Ampelsystem, welches die Anzahl der Überstunden in farbigen Aktionsstufen transparent darstellt.

Wie das funktioniert? Wie die Beschäftigten einbezogen wurden? Und welche Herausforderungen es gab? Geschäftsführer Martin Ulses und Personalleiter Dominik Roth standen den Teilnehmenden des zweiten virtuellen Roundtables am 18. September 2017 per Videochat Rede und Antwort. Hier einige ausgewählte Fragen und Antworten:

  • Wo lagen die größten Herausforderungen bei der Einführung?

    Martin Ulses und Dominik Roth: Es kommt auf kompetente Beratung von außen und die passende Software an. Es ist unbedingt darauf zu achten, dass die Software erprobt und möglichst passgenau auf die Anforderungen des Unternehmens bzw. der Einrichtung abgestimmt ist. Wir hätten viel früher mit der Umsetzung starten können, wenn wir die passende Software gehabt hätten. Für die erfolgreiche Einführung ist außerdem wichtig, mit den Mitarbeitenden offen zu kommunizieren, Präsenz zu zeigen, Gespräche zu führen – und aufgeschlossen zu sein für Anregungen.

  • Wie wurde das Angebot von Beschäftigten und Führungskräften aufgenommen? Justieren Sie im laufenden Betrieb nach?

    Martin Ulses und Dominik Roth: Die Beschäftigten haben sehr positiv auf die Einführung des neuen Arbeitszeitkontensystems reagiert, welches in der Kernfunktion des laufenden Arbeitszeitkontos mit Ampelphase für alle unseren sozialversicherungspflichtigen Mitarbeitenden obligatorisch ist. Darüber hinaus nehmen mittlerweile 120 Beschäftigte das erweiternde Angebot eines Lebensarbeitskontos in Anspruch. Auch die Führungskräfte fanden das neue System weitestgehend gut, allerdings war hier bei dem einen oder anderen etwas mehr Überzeugungsarbeit nötig. Mit der Einführung der beschriebenen Kontensystematik mussten sie in diesem Bereich ein Stück weit ihre Entscheidungsfreiheit mit dem Arbeitnehmer teilen. Wir freuen uns darüber, dass die überwiegende Mehrheit unserer Beschäftigten in dieser Angelegenheit sehr verantwortungsbewusst handelt und sowohl für den Arbeitgeber als auch unsere Kunden mitdenkt. Zudem erhalten unsere Führungskräfte aktive Unterstützung aus der HR-Abteilung und mittlerweile erkennen alle den positiven Effekt.

    Außerdem hatten wir schon mehrere Führungskräftemeetings, in denen wir gezielt nachgefragt haben, wo es Verbesserungsbedarf gibt. Unsere Betriebsräte praktizieren dies auf der Arbeitnehmerseite ebenso. Daraufhin hatten wir zwei Verhandlungsausschüsse mit dem Gesamtbetriebsrat, in dessen Folge Veränderungen an unserem Modell einvernehmlich beschlossen wurden.

  • Mit welchen Kosten müssen Arbeitgeber bei der Einführung eines solchen Systems rechnen?

    Martin Ulses und Dominik Roth: Wir haben im Vorfeld eine umfassende und kompetente Beratung in Anspruch genommen. Für Beratung und Einführung der Langzeitkonten inklusive Software haben wir einen geringen fünfstelligen Betrag gezahlt. Die laufenden Kosten für die Kontoführung betragen pro aktivem Langzeitarbeitszeitkonto circa 24 bis 30 Euro brutto jährlich und stellen somit für den Arbeitgeber i.d.R. keine nennenswerte Kostenmehrbelastung dar.

  • Müssen Arbeitnehmer während der Freistellung im Rahmen eines Langzeitarbeitszeitkontos (LAZ) Sozialabgaben zahlen?

    Martin Ulses und Dominik Roth: Die Arbeitgeber zahlen den Gegenwert der AG-Sozialabgaben bereits während der LAZ-Ansparphase auf das persönliche LAZ des Arbeitnehmers ein, so dass die Arbeitgeber in der Entnahmephase finanziell nicht mehr belastet werden. In der Zwischenzeit bis zur Entnahme wird das gesamte Wertguthaben verzinst und insolvenzgesichert durch einen institutionellen Versicherer angelegt. Erst bei der Entnahme des Wertguthabens in Form von bezahlter Freistellung werden für den Arbeitnehmer die üblichen Steuern und Sozialversicherungsbeiträge fällig.