Transformation bottom up

  • Herr Fischer, die Fiducia & GAD will ein agiles Unternehmen werden. Warum setzt sie dabei auf Praxislaboratorien?

    Oliver Fischer: Die im Rahmen des Forschungsprojektes WING entwickelten Laboratorien arbeiten ergebnisoffen, nachhaltig und agil und vor allem ermöglichen sie uns, alle wichtigen Akteure im Unternehmen mitzunehmen. So können wir mitten aus der Belegschaft heraus und mit Unterstützung der Forschung einen neuen Weg gehen, unsere Themen für die Gestaltung der digitalen Arbeitswelt im Unternehmen platzieren und den Transformationsprozess positiv begleiten. Ein starker Treiber war auch das Wissen, dass andere Unternehmen wie Bosch mit einem solchen Lab bereits gute Erfahrungen gemacht haben.

  • Welche Stellschrauben für eine gelingende Transformation haben Sie im Lab identifiziert?

    Oliver Fischer: Wir wollen drei Gestaltungsfelder vorantreiben. Einmal die Selbstorganisation in agilen Teams. Wie schaffen wir es, dass dies nicht nur eine Worthülse ist, sondern Teams innerhalb eines definierten Rahmens wirklich eigenverantwortlich Entscheidungen treffen können? Dann geht es uns um die neuen Rollen in einem agilen Setting. Hier konzentrieren wir uns momentan auf den Scrum Master – ein Dauerthema, das vielen Projektleitern auf den Nägeln brennt. Wie können wir die Beschäftigten hierfür qualifizieren und diese Rolle nachhaltig etablieren? Und natürlich steht das Thema Führung auf der Agenda. In einem agilen Unternehmen funktionieren die alten Hierarchien nicht mehr. Da brauchen wir neue strategische Ansätze.

  • Welchen Weg hat das Labteam seit seinem Start genommen?

    Oliver Fischer: Anfangs waren die meisten skeptisch und haben sich gefragt, ob sie überhaupt etwas verändern können. Im Laufe der Zeit haben sich die Teammitglieder aber immer mehr mit dem Lab und den Themen, die sie in ihren Subteams bearbeiten, identifiziert. Wir haben in allen drei Gestaltungsfeldern konkrete Handlungsvorschläge entwickelt. Heute sind alle mit Herzblut dabei und glauben an ihre Kompetenzen als "Change Manager". Und wir würden uns, wenn möglich, alle gerne nach dem Ende der Projektphase weiter für den Transformationsprozess engagieren.

  • Welche Rolle haben die ISF-Wissenschaftler für das Team gespielt?

    Oliver Fischer: Sie haben unseren gemeinsamen Lernprozess entscheidend mit vorangetrieben, uns einen Rahmen gegeben, Expertise von außen hereingebracht und uns geholfen, den Fokus auf die wichtigen Brennpunkte zu legen. Ohne sie wäre das Lab wahrscheinlich im Tagesgeschäft untergegangen.

  • Wie ist die Resonanz auf Ihr Engagement?

    Oliver Fischer: Im Lenkungskreis, mit dem wir uns regelmäßig rückkoppeln und zu dem unter anderem der Arbeitsdirektor und der Betriebsratsvorsitzende der Fiducia & GAD gehören, erleben wir große Wertschätzung. Unsere Arbeitsergebnisse fallen dort auf fruchtbaren Boden und so können wir weitergehende Impulse setzen. Auch das BMAS beobachtet unsere Arbeit mit Interesse und hat uns bereits vor Ort besucht. Jetzt gilt es, das Lab und seinen besonderen Gestaltungsansatz für alle im Unternehmen nutzbar zu machen und so mehr Menschen abzuholen, die sich mit ihrem Wissen und ihrem Engagement an der Transformation beteiligen wollen.