Beatriz Arantes über Arbeitsplatzgestaltung

  • Vor welchen Herausforderungen stehen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter heute und wie kann Raum dabei helfen, sie zu bewältigen?

    Beatriz Arantes: Jeden Tag strömt eine schier unendliche Masse an Informationen auf uns ein und es wird erwartet, dass wir diese immer schneller verarbeiten und zu Ergebnissen kommen. Raum kann dazu beitragen, die Konzentration zu fördern und so wichtige Informationen von unwichtigen zu unterscheiden. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen selbst darüber entscheiden können, wo und wie sie arbeiten und sich in ihrer Arbeitsumgebung wohlfühlen. Es geht aber nicht nur um kognitives und physisches Wohlbefinden, sondern auch darum, dass die Unternehmenskultur im Raum erlebbar wird und sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter damit verbunden fühlen.

  • Immer wieder wurde das Büro totgesagt. Dank mobiler Technologien können wir heute von überall arbeiten. Warum brauchen wir also überhaupt noch Büros?

    Beatriz Arantes: Das Büro ist noch lange nicht Geschichte, aber es verändert sich. Arbeit ist eine soziale Tätigkeit und wir brauchen Orte, an denen wir uns treffen und gemeinsam Probleme lösen können. Unser neues Innovationszentrum in München bietet beispielsweise verschiedene Bereiche, in denen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zusammenarbeiten können, sowohl in formelleren Besprechungen als auch ganz spontan. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter finden aber auch Arbeitsplätze, an die sie sich zurückziehen können. Um wettbewerbsfähig und innovativ zu bleiben, müssen Unternehmen agiler werden. Das heißt, Informationsflüsse und Lernzyklen müssen beschleunigt werden, um besser und schneller zu entscheiden. Die Raumgestaltung kann dies unterstützen.

  • Sie leiten das "WorkSpace Futures"-Forschungsteam von Steelcase. Welche Erkenntnis hat Sie persönlich besonders fasziniert?

    Beatriz Arantes: Aus unseren Studien konnten wir unterschiedliche Erkenntnisse ableiten, aber die interessanteste war, dass wir uns gar nicht so stark von Tieren unterscheiden. Auch wir verfügen über intrinsische Mechanismen, die uns dabei helfen, Umgebungen zu bewerten, und mitunter darüber entscheiden, ob wir uns wohlfühlen. Bislang haben wir diese Instinkte bei der Gestaltung von Arbeitsräumen ignoriert. Es ist an der Zeit, unserem Bauchgefühl zu vertrauen und Räume zu schaffen, die eine positive Stimmung in uns auslösen – z. B. durch angenehme Materialien, Oberflächen oder Muster.