Menschen aus allen demografischen und sozialen Gruppen gehören einbezogen und wertgeschätzt

  • Wie erreichen wir Diversität in Organisationen?

    Isabell M. Welpe: Es gibt inzwischen starke soziale Bewegungen, die Diversität von Organisationen erwarten. Zunehmend erwartet die Öffentlichkeit, dass soziale Veränderungen auch in Organisationen nachvollzogen werden und die Vielfalt der Gesellschaft in einem Unternehmen abgebildet wird. Fähigkeiten und Eigenschaften, von denen Unternehmen wirtschaftlich profitieren können – beispielsweise unternehmerisches Denken, kooperatives Verhalten, Hilfsbereitschaft, Einsatzfreude, Proaktivität, vorausschauendes Denken –, sind ja auch über alle demografischen und sozialen Gruppen gleich verteilt. Das heißt, man kann nicht aufgrund demografischer und sozialer Merkmale wie Alter, Nationalität, Geschlecht usw. vorhersagen, wie hilfsbereit oder klug jemand ist. Eine Firma, die ihre Talente nur aus einer oder zwei demografischen oder sozialen Gruppen schöpft, ist mit Blick auf ihre Talente dann wahrscheinlich nicht ganz optimal aufgestellt. Wenn ein Unternehmen nicht aus allen Talentpools schöpfen kann, zum Beispiel aufgrund von verzerrten Urteilen, Vorurteilen und Stereotypen, dann kann es auch weniger Talente einstellen. Nachhaltige Wertschöpfung und Diversität in Organisationen erreichen wir durch biasfreie Auswahlprozesse und eine Unternehmenskultur, die neben Diversität auch Inklusivität sicherstellt. Das bedeutet, dass Menschen aus allen demografischen und sozialen Gruppen gehört, einbezogen und wertgeschätzt werden.

  • Wie kann die digitale Transformation mit Blick auf ein verbessertes Gesundheitsmanagement gestaltet werden?

    Isabell M. Welpe: Es ist zu sehen, dass Unternehmen erfolgreich sind, die abrücken von einem "One Size Fits All"-Ansatz für ihre Mitarbeitenden. So ist beispielsweise der/die eine Mitarbeitende im Home-Office glücklich, der/die andere hingegen unglücklich. Man sollte die Leute fragen, was sie benötigen, damit sie maximal gut arbeiten können. Das setzt natürlich voraus, dass man gute Mitarbeitende mit der Fähigkeit zur Selbstführung hat. Führungskräfte fungieren zudem als Vorbilder und sollten mit gutem Beispiel vorangehen und auf sich selbst und ihre Gesundheit achten sowie darauf, dass es ihnen gut geht.

  • Wie können Organisationen die digitale Transformation bestmöglich gestalten? Welche konkreten Managementpraktiken gibt es hier?

    Isabell M. Welpe: Im Wesentlichen gibt es hier drei Dinge, die Organisationen beachten müssen:

    1. Sie sollten Mitarbeitende so auswählen und sozialisieren, dass eine Zusammenarbeit auf Basis von berechtigtem Vertrauen möglich ist, da ohne berechtigtes Vertrauen agiles Arbeiten, Freiheit und Selbstverantwortung nicht funktionieren kann.
    2. Die Unternehmensführungen müssen verstehen, was die digitale Transformation bedeutet, und danach ihre Defaults festlegen, also das, was in der Organisation als der Normalfall und was als der Ausnahmefall in jeder Abteilung gilt. Zum Beispiel kann so festgelegt werden, ob der Regelfall Kontrolle oder Vertrauen, Hierarchie oder Partizipation, Perfektion oder Iteration usw. ist.
    3. Wichtig ist ebenfalls, die Qualität der Entscheidungen sicherzustellen. Ein Unternehmen lebt und überlebt nur aufgrund der Qualität der Entscheidungen, die jeden Tag auf jeder Unternehmensebene getroffen werden. Während der Sicherung der Produktqualität sehr viel Aufmerksamkeit zukommt, finden bei Entscheidungen relativ wenige Qualitätssicherungsprozesse statt, dabei sind Entscheidungen das wichtigste Produkt jedes Unternehmens.