Dialog

Die Veränderungen der Arbeitswelt erfordern neue Ideen, frische Gedanken und einen offenen Dialog. Gerade weil die Zukunft der Arbeit bisher nur schemenhaft erkennbar ist, brauchen wir Impulse, wie diese Zukunft aussehen könnte und wie sie nicht aussehen sollte. Denn die Digitalisierung wirft viele Fragen auf. Bleibt der Sonntag grundsätzlich ein Tag der Erholung, wenn die Arbeit immer und überall erledigt werden kann? Wie lässt sich Solidarität organisieren, wenn immer mehr Beschäftigte im Home-Office arbeiten und die direkte Absprache im Büro nicht mehr funktioniert? Ist die Solo-Selbstständigkeit in Zukunft das Normarbeitsverhältnis, während die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zum Auslaufmodell wird? Welche Führungskräfteentwicklung muss stattfinden, um den Bedürfnissen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gerecht zu werden? Diese Fragen bewegen Politik und Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft, Kirchen und Gewerkschaften. Hier kommen sie zu Wort und werfen ihren Blick auf die Veränderungen, die uns alle angehen. Über die Dialogfunktion können Sie den meisten unserer Expertinnen und Experten Fragen stellen.

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Antworten von Annelie Buntenbach

Hier finden Sie die bereits beantworteten Fragen der Expertinnen und Experten. Stellen Sie Ihre eigene Frage

  • FRAGE Redaktionsteam Experimentierräume (aus User-Rückfragen): Wo und vor allem wie experimentiert der DGB?
    ANTWORT
    Portraitaufnahme von Frau Annelie Buntenbach
    Annelie Buntenbach: Der DGB entwickelt und unterstützt innovative Ansätze für wichtige Zukunftsfragen der Arbeitsgestaltung. Wichtig ist dabei die Erdung, denn wir haben auch heute (und das seit langem) viele Probleme wie beispielsweise die mangelnde Selbstbestimmung bei Arbeitszeiten oder Zielvorgaben, hohe psychische Belastungen oder fehlende Qualifizierungsangebote. Wir wollen insbesondere neue digitale Möglichkeiten nutzen, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Experimentierräume können hierfür ein guter Weg sein, denn hier sollen die Beschäftigten von Anfang ausreichend Mitspracherechte haben, um die Veränderungen auch aus ihrer Perspektive mitzugestalten.
  • FRAGE Redaktionsteam Experimentierräume (aus User-Rückfragen): Müssen wir Arbeitnehmer nicht selbst erst einmal verstehen, wohin die Reise geht, und uns vorher auf gemeinsame Ziele verständigen, bevor wir an sowas teilnehmen?
    ANTWORT
    Portraitaufnahme von Frau Annelie Buntenbach
    Annelie Buntenbach: Der digitale Wandel ist ein Prozess mit vielen offenen Fragen. Die Ziele aber sind klar und in den Förderbedingungen für die Experimentierräume auch beschrieben. So geht es darum, die Mitbestimmung und Partizipation zu stärken, um die Arbeitsbedingungen gesundheitsverträglicher zu gestalten, Arbeitszeitsouveränität und Qualifizierungszeiten für Beschäftigte zu ermöglichen oder die Vereinbarkeit zu verbessern. Es geht um den IT-Einsatz und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen und den Persönlichkeitsschutz. Das Entscheidende ist, dass die Wege dazu – insbesondere der Einsatz digitaler Technologien – gemeinsam von den Betriebsparteien entwickelt werden sollen. So soll und kann vermieden werden, dass die Beschäftigten das Nachsehen haben und alles auf größtmögliche Effizienz ausgerichtet wird. So geht es letztlich um neue Formen der Kooperation, denn die Einbindung der Beschäftigten von Anfang an steht an oberster Stelle.
  • FRAGE Redaktionsteam Experimentierräume (aus User-Rückfragen): Mir ist nicht ganz klar, wie die Rolle des Betriebsrates in solchen ergebnisoffenen Prozessen aussieht. Steh ich bei mir im Betrieb nicht als Bremser da, wenn ich mit dem Arbeitsschutzgesetz und betrieblichen Vereinbarungen komme?
    ANTWORT
    Portraitaufnahme von Frau Annelie Buntenbach
    Annelie Buntenbach: Experimentierräume sollen ergebnisoffen sein, aber nicht ziellos. Und es sollen ja gerade neue betriebliche Vereinbarungen gefunden werden, zum Beispiel um die im Arbeitsschutzgesetz geforderte Umsetzung der Gefährdungsbeurteilung bei psychischen Belastungen umzusetzen. Ein Weg wäre auch, die Arbeitsorganisation so zu verändern, dass Zielvorgaben realistischer gestaltet werden, damit Arbeitszeiten, Ruhezeiten und Pausen eingehalten werden können. Also: Experimentierräume sind kein Widerspruch zum geltenden und notwendigen gesetzlichen Rahmen. Der Anspruch ist, den digitalen Wandel zu nutzen, für eine gesunde Arbeitsgestaltung oder betriebliche Bildung und Qualifizierung. Das sind die Felder der Zukunft. Dafür gelten aber keine Sonderrechte: Experimentierräume finden statt auf den derzeitigen gesetzlichen Grundlagen wie Arbeitszeitgesetz oder Arbeitsschutzgesetz. Diese bieten zwar große Spielräume für Flexibilität, aber in der Regel zu Lasten der Beschäftigten. Dies wollen wir ändern. Zum Beispiel durch mehr Partizipation oder auch durch eine Weiterentwicklung der Mitbestimmung. All dies wird ausdrücklich gefördert. Wichtigste Förderkriterien sind, dass die Interessen der Beschäftigten und Unternehmen gleichermaßen berücksichtigt werden und beide Betriebsparteien vorher zustimmen müssen. Es braucht also eine Verständigung über die Ziele und Wege. Außerdem muss das ganze Vorhaben wissenschaftlich begleitet werden. Experimentierräume sind deshalb eine Chance, Probleme wie die hohen psychischen Belastungen durch Arbeit zu reduzieren und größere Freiräume für die Beschäftigten zu schaffen. Betriebsräte können hier entsprechende Innovationen anschieben und mit umsetzen.
  • FRAGE Redaktionsteam Experimentierräume (aus User-Rückfragen): Bei uns sind ähnliche Ideen auch gerade im Gespräch. Ich habe die Sorge, dass schon vorbereitete Pläne für mehr Flexibilität bei den Beschäftigten durchgewunken werden. Wie kann man dies verhindern?
    ANTWORT
    Portraitaufnahme von Frau Annelie Buntenbach
    Annelie Buntenbach: Ich kann die Sorgen gut nachvollziehen, denn zwischen den politischen Zielen, die bei INQA gefördert werden, und der betrieblichen Wirklichkeit liegen leider oft Welten. Die Sorge kann auch damit zusammenhängen, dass die Debatte um die Experimentierräume lange Zeit von Arbeitgeberforderungen nach einer Aufweichung des Arbeitszeitgesetzes bestimmt worden ist. Darum geht es ausdrücklich nicht. Experimentierräume befinden sich weder im luftleeren Raum noch gelten Sonderrechte. Es sollen vielmehr die neuen Möglichkeiten ausgelotet werden, die die Digitalisierung bietet, also zum Beispiel mehr Selbstbestimmung für die Beschäftigten bei den Arbeitszeiten. Die Arbeitszeit ist allerdings nur ein Aspekt von vielen: Experimentierräume sollen helfen, dass die Betriebe den digitalen Wandel bewältigen. Dafür sind vor allem die Fragen der IT-Einsatzes oder der Qualifizierung von entscheidender Bedeutung. Und dafür braucht es wiederum Zeit und eine Arbeitsorganisation, die dies unterstützt. Die Themen greifen also ineinander. Wichtig ist, dass Experimentierräume nur gefördert werden, wenn beide Seiten, Sozialpartner oder Betriebsparteien, vorher zustimmen. Insofern braucht es dafür eine Verständigung. Ohne die geht nichts. Dies gilt allerdings nur für die Förderung durch das BMAS, mit der gute Beispiele für sozialpartnerschaftliche Strategien unterstützt werden sollen. In der Realität ist eine solche Unternehmenskultur leider oft noch ein Fremdwort.

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