Dialog

Die Veränderungen der Arbeitswelt erfordern neue Ideen, frische Gedanken und einen offenen Dialog. Gerade weil die Zukunft der Arbeit bisher nur schemenhaft erkennbar ist, brauchen wir Impulse, wie diese Zukunft aussehen könnte und wie sie nicht aussehen sollte. Denn die Digitalisierung wirft viele Fragen auf. Bleibt der Sonntag grundsätzlich ein Tag der Erholung, wenn die Arbeit immer und überall erledigt werden kann? Wie lässt sich Solidarität organisieren, wenn immer mehr Beschäftigte im Home-Office arbeiten und die direkte Absprache im Büro nicht mehr funktioniert? Ist die Solo-Selbstständigkeit in Zukunft das Normarbeitsverhältnis, während die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zum Auslaufmodell wird? Welche Führungskräfteentwicklung muss stattfinden, um den Bedürfnissen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gerecht zu werden? Diese Fragen bewegen Politik und Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft, Kirchen und Gewerkschaften. Hier kommen sie zu Wort und werfen ihren Blick auf die Veränderungen, die uns alle angehen. Über die Dialogfunktion können Sie den meisten unserer Expertinnen und Experten Fragen stellen.

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Antworten von Prof. Dr.-Ing. Sascha Stowasser

Hier finden Sie die bereits beantworteten Fragen der Expertinnen und Experten. Stellen Sie Ihre eigene Frage

  • FRAGE Redaktionsteam Experimentierräume (aus User-Rückfragen): Sie sprechen in Ihrem Beitrag davon, dass für flexible Arbeitszeiten die Kultur im Unternehmen stimmen muss. Wie kann man erreichen, dass in einem Unternehmen, in dem immer feste Arbeitszeiten galten, plötzlich Flexibilität gelebt wird? Haben Sie hier praktische Tipps?
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    Portraitaufnahme von Herr Prof. Dr. Sascha Stowasser
    Prof. Dr.-Ing. Sascha Stowasser: Flexible Arbeitszeitgestaltung ist ein Maßanzug, der sowohl dem Unternehmen als auch den Beschäftigten passen muss. Eine Standardlösung, die einfach von anderen Unternehmen übernommen wird, wird und kann nicht die richtige Antwort sein. Aus diesem Grund empfehlen wir eine systematische Vorgehensweise bei der Vorbereitung und Einführung eines neuen flexiblen Arbeitszeitmodells. Zunächst sollten die Bedarfe des Unternehmens und der Beschäftigten ermittelt werden. Dabei ist es wichtig, die Beschäftigten offen über die Ausgangslage zu informieren, damit alle die Herausforderung verstehen und gemeinsam nach einer Lösung suchen. Gleichzeitig sollte abgefragt werden, was die Beschäftigten über die bestehenden Arbeitszeitregelungen denken und wo die Beschäftigten Flexibilisierungsbedarf sehen. Die Akzeptanz der Beschäftigten für flexible Arbeitszeitmodelle hängt u.a. von der ausreichenden Berücksichtigung ihrer Interessen, Bedürfnissen und Freizeitmöglichkeiten ab. Wir wissen, dass die Einführung eines neuen Arbeitszeitmodells an bestimmten Gewohnheiten und festgefahrenen Verhaltensmustern rütteln und auf Widerstand stoßen kann. Wenn die Beschäftigten jedoch die Einführung eines neuen flexiblen Arbeitszeitmodells aktiv mitgestalten und begleiten, so haben sie auch die Möglichkeit, die außerbetrieblichen Angelegenheiten wie Öffnungszeiten von Kinderbetreuungseinrichtungen, Fahrgemeinschaften, familiäre Absprachen, Freizeitaktivitäten usw. zu organisieren.
  • FRAGE Redaktionsteam Experimentierräume (aus User-Rückfragen): Sie sprechen davon, dass für flexible Arbeitszeiten die Kultur stimmen muss. Das hört sich leicht an, ist aber eine große Herausforderung, wenn unterschiedliche Generationen und Arbeitstypen im Betrieb tätig sind. Wie geht man mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um, die eine Flexibilisierung überhaupt nicht wollen und diese auch nicht akzeptieren?
    ANTWORT
    Portraitaufnahme von Herr Prof. Dr. Sascha Stowasser
    Prof. Dr.-Ing. Sascha Stowasser: Es sollte zunächst geklärt werden, welche Form der Flexibilität zu welchen Beschäftigten passt. Welche Art und welchen Umfang von Flexibilität der Arbeitszeit wollen bzw. können die Einzelnen leisten? Welche Beschäftigte sind in ihrer momentanen Lebensphase flexibel, welche sind aufgrund persönlicher bzw. familiärer Verpflichtungen eingeschränkt. Den Beschäftigten geht es grundsätzlich um mehr persönliche Freiheit und immer mehr Beschäftigte wollen mitentscheiden, wie sie arbeiten. Eine offene und innovative Unternehmenskultur sollte diese Bedürfnisse kennen, akzeptieren und bei der Arbeitszeitgestaltung berücksichtigen. Denn Beschäftigte, die von flexiblen Arbeitszeiten profitieren bzw. ihre Arbeitszeiten mitgestalten, sind motivierter und konzentrierter bei der Arbeit. Zudem ist hier notwendig, dass die Unternehmen und Beschäftigten bei der Gestaltung ihrer flexiblen Arbeitswelten entlastet bzw. unterstützt werden, damit sie sich für Flexibilisierung öffnen und flexible Arbeitszeiten akzeptieren.
  • FRAGE Bernd Strecker (PR-Vorsitzender Stadt Bietigheim-Bissingen): Als Personalrat suchen wir einen Lösungsansatz zum Mildern starker zeitlicher Bindung durch den sogen. Ferienüberhang. Kernzeitbetreuung, Ganztagesschulbetrieb oder Mensa an Schulen sind tariflich nicht hoch bezahlte Teilzeit-Beschäftigungen (EG 2, EG S 3 TVöD-VKA). Weil 30 Urlaubstagen aber 60 Tage Schulferien gegenüberstehen, kommt zu einem nivellierten Gehalt auch noch die unbedingte Bindung des Urlaubs an die Schulferienzeit (bei Lehrern ok). Kennen Sie Modelle, die hier Arbeitszeit-Flexibilisierung ermöglichen? Danke und schöne Grüße
    ANTWORT
    Portraitaufnahme von Herr Prof. Dr. Sascha Stowasser
    Prof. Dr.-Ing. Sascha Stowasser: Eine Möglichkeit ist das Einführen von Arbeitszeitkonten. Das Grundprinzip besteht darin, dass mit den Beschäftigten eine jährliche Arbeitszeit (in Stunden) vereinbart wird. Zugleich erhalten die Beschäftigten ein vertraglich vereinbartes monatliches Gehalt. Folglich kann der Personaleinsatz auf Grundlage der individuellen Jahresarbeitszeit flexibel gestaltet werden. So kann zum Beispiel die tägliche oder wöchentliche Arbeitszeit in Zeiten mit starker saisonaler Auslastung erhöht und in Zeiten mit geringer Auslastung gesenkt werden. Die mehr geleisteten Stunden fließen ins Zeitkonto. Arbeiten die Beschäftigten weniger, können die Differenzstunden (Minusstunden) aus dem Zeitkonto ausgeglichen werden. So können die Beschäftigten zum Beispiel in Schulferienzeiten für die zwischen den Parteien vereinbarte Dauer freigestellt werden. Das Gehalt wird dabei kontinuierlich in gleicher Höhe weiterbezahlt.

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