Stellungnahme des Deutschen Landkreistags

Das Grünbuch enthält eine Vielzahl von interessanten Überlegungen und gibt wichtige Anregungen für die Gestaltung der Zukunft der Arbeitswelt.

Zunächst sei angemerkt, dass sich das Grünbuch auf Erwerbsarbeit fokussiert, also auf Beschäftigung als Einkommens- und Verdienstquelle. Dadurch bleiben erhebliche andere Berei-che, bspw. die Familienarbeit oder die Tätigkeit von ehrenamtlich Engagierten in Gesellschaft, Sport, Kultur sowie im sozialen Bereich unberücksichtigt. Um „Arbeiten“ neu und weiter zu denken, könnte ein umfassender Begriff gewählt werden.

Im Folgenden möchten wir auf drei Bereiche des Grünbuchs besonders eingehen, nämlich 3.1 „Arbeit für Alle? – Teilhabe an Arbeit sichern“, 3.5 „Wie arbeiten wir in der Arbeitswelt der Zukunft?“ und 3.4 „Institutionen“:

  • Wir regen an, die Betrachtung des Komplementärfeldes von Arbeit nicht auf Arbeitslo-sigkeit oder gar registrierte Arbeitslosigkeit zu beschränken. Während derzeit ca. knapp 3 Mio. registrierte arbeitslose Menschen zu verzeichnen sind, gibt es allein im SGB II mehr als 6 Mio. Personen, die auf staatliche Fürsorgeleistungen angewiesen sind. Insofern bedarf es für die große Zahl derer, die bisher nicht oder nicht ausreichend über Erwerbsbeschäftigung am Arbeitsleben teilhaben können, großer Anstrengungen.
  • Die Förderung von Beschäftigung und die Unterstützung von Tätigkeit sollten arbeits- und sozialpolitisch verstärkt werden. In Anbetracht knapper Kassen erscheint ein Arbeitsmarktersatz weniger vielversprechend als flexible, auf den örtlichen Arbeitsmarkt abgestimmte Förderungsmöglichkeiten von Beschäftigung, begonnen bei niedrigschwelliger Arbeitsmarktannäherung bis hin zu dauerhaften Betätigungsmöglichkeiten. Ziel muss sein, keine Schonräume oder Parallelwelten zu schaffen, sondern zum einen mitten in der Arbeitswelt und zum anderen mitten in der Gesellschaft Raum für Teilhabe durch Arbeit zu schaffen, an der auch Menschen mit eingeschränkten Mög-lichkeiten oder Handicaps partizipieren können. Konkrete Vorschläge hat der Deutsche Landkreistag in seinem Papier zum Sozialen Arbeitsmarkt unterbreitet.

Alle staatlichen Ebenen sollten weitere und neue Möglichkeiten zur gesellschaftlich nützlichen Betätigung als Ergänzung von Erwerbsarbeit entwickeln und fördern. Auf diese Weise kann es gelingen, die sozialen und weiteren Aspekte von Beschäftigung über den engen Begriff einer Erwerbsarbeit hinaus zu betonen und mit in den Blick zu nehmen. Dies bedeutete dann auch eine stärkere bürgerschaftliche Verankerung des Arbeitsbegriffs, auf den es in einer sich demografisch verändernden Gesellschaft künftig mehr denn je ankommen wird.


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