Soziale Absicherung Selbständiger stärken

12.07.2017

Wenn die Veränderungen in der Arbeitswelt zu mehr Selbständigen führen, sollten wir darüber nachdenken, was Ansatzpunkte für eine bessere soziale Absicherung und gemeinsame Interessenvertretung Selbständiger sein könnten.

Denn nur ein Teil der Selbständigen entspricht dem Typus "erfolgreicher Freiberufler" und verfügt über unersetzbare Spezialkenntnisse mit entsprechend großen Verdienstmöglichkeiten. Ein größerer Teil muss sich in unsicheren Verhältnissen und mit eher geringeren Einkünften zurechtfinden.

Klassische Gewinnchancen eines Unternehmers ergeben sich für viele Solo-Selbständige nicht. Der Mindestlohn gilt aber auch nicht. Und die Sozialversicherungssysteme sind, bis auf wenige Ausnahmen, nur auf abhängig Beschäftigte ausgerichtet.

Was die Entwicklung der selbständigen Tätigkeit in einer zunehmend digitalisierten Arbeitswelt angeht: Vieles – Stichworte sind hier Design-, Entwicklungs-, Übersetzungs- oder Programmieraufträge sowie Lieferdienste – lässt sich auslagern und wird schon heute oft an Externe vergeben. Dies gilt auch für Haushaltshilfe und Pflege, die ebenfalls immer häufiger von selbständigen Dienstleistern erbracht werden.

Durch die Geschäftsmodelle der Plattformindustrie sinken die Transaktionskosten. Es ist nicht mehr erforderlich, "echte Arbeitnehmer" zu höheren Kosten dauerhaft zu beschäftigen. Stattdessen lassen sich jederzeit und ohne Risiko soloselbständige Freelancer in der Crowd finden.

Aber Risikolosigkeit für den Auftraggeber bedeutet Risikoverlagerung auf die selbständig Beschäftigten und erhöht deren soziale Schutzbedürftigkeit.

Deshalb haben wir einen Vorschlag zur Alterssicherung Selbständiger vorgelegt. Um die Schutzlücken von Selbständigen, die bisher nicht obligatorisch für das Alter vorsorgen, zu schließen, möchten wir diese zukünftig in die gesetzliche Rentenversicherung einbeziehen. Bereits getroffene Vorsorgedispositionen möchten wir nach dem Konzept schützen.

Um finanzielle Überforderungen zu vermeiden, sind Beitragserleichterungen in den ersten Jahren der versicherungspflichtigen Selbständigkeit vorgesehen. Und die Beitragslast kann gemindert werden, wenn es wirtschaftlich in der Selbständigkeit mal nicht so gut läuft.

Viele Selbständige mit geringem Einkommen können die hohen Beiträge zu einer freiwilligen Versicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung kaum stemmen. Deswegen muss die Absenkung des Mindestbeitrags in der gesetzlichen Krankenversicherung Voraussetzung für die Einführung der Rentenversicherungspflicht sein.

Grundlage für die soziale Absicherung ist natürlich in erster Linie ein ordentliches Einkommen von Selbständigen. Selbständige müssen ihre Sozialversicherungsbeiträge selbst erwirtschaften – ohne einen Arbeitgeberanteil zu erhalten. Morgen widmet sich mein Blog daher der Frage, wie die Selbstorganisation und die gemeinsame Interessenvertretung von Selbständigen gestärkt werden können.