Nach dem Weißbuch - Arbeit Weiter Denken

Auf den Dialogprozess Arbeiten 4.0 wollen wir eine Phase des "gemeinsamen Lernens und der Gestaltung der Transformation" anschließen
25.11.2016

Der Dialogprozess Arbeiten 4.0 geht nun bald zum Ende. Am 29. November werden wir auf der Abschlusskonferenz ein Weißbuch vorlegen, das unsere Gestaltungsoptionen beschreibt. Das Weißbuch wird ein Reservoir politischer Möglichkeiten auf kurz-, mittel und langfristige Sicht sein, aus dem wir in den kommenden Jahren schöpfen können.

Der digitale Wandel der Arbeitswelt und somit auch die Diskussion über Arbeiten 4.0 sind mit der Vorlage dieses Weißbuchs selbstverständlich nicht zu Ende. Einige Projekte des Weißbuchs werden sich kurzfristig umsetzen lassen. Aber wir werden auch weiter Trends beobachten, den Austausch mit allen Stakeholdern suchen, soziale Kompromisse unter Einbeziehung der Sozialpartner entwickeln und neue Lösungen auch experimentell erproben. Auf den Dialogprozess Arbeiten 4.0 wollen wir eine Phase des "gemeinsamen Lernens und der Gestaltung der Transformation" anschließen.

Dieser Prozess wird sicher nicht konfliktfrei verlaufen. Um die von mir in meinem Blog bereits vorgestellten Spannungsfelder – wie die gewünschte und nötige Flexibilität von Arbeit, der mögliche Konflikt zwischen Automatisierung und Beschäftigungssicherung, der Umgang mit Daten oder auch neue Geschäftsmodelle und neue Erwerbsformen – gruppieren sich unterschiedliche Wertvorstellungen und Interessen. Die konkrete Ausgestaltung des Wandels der Arbeitswelt wird daher auf vielen Feldern immer aufs Neue ausgehandelt werden müssen.

Das kann nur gelingen, wenn staatliches Handeln, Tarif- und Betriebspartnerschaft sowie die konkrete Wirklichkeit in Unternehmen und Betrieben gemeinsam betrachtet werden und ineinandergreifen und dem Leitbild Guter Arbeit folgen. Siehe hierzu auch meinen Blogbeitrag zum Leitbild Gute Arbeit im digitalen Wandel.

Wir brauchen daher eine neue übergreifende Innovations-, Forschungs- und Transferstrategie "Arbeiten 4.0". In den 1970er und 1980er Jahren hat die Bundesregierung die Veränderungen vor allem der industriellen Produktionsarbeit mit dem Programm "Humanisierung der Arbeitswelt" begleitet. Es wäre Zeit daran anzuknüpfen.

Gemeinsam mit den Sozialpartnern werden wir Themen für Experimentierräume abstimmen, die dann in unterschiedlichen Branchen und Betrieben umgesetzt und wissenschaftlich begleitet werden. Die sozialpartnerschaftliche Initiative Neue Qualität der Arbeit könnte für diese betrieblichen Experimentierräume das institutionelle Dach liefern und dort könnten die Ergebnisse auch evaluiert und ausgewertet werden.

Denn der breit angelegte und ernsthaft betriebene Austausch während des gesamten Dialogprozesses Arbeiten 4.0 macht mich und meine Kolleginnen und Kollegen im Bundesarbeitsministerium zuversichtlich, dass die Gestaltung von Arbeit 4.0 auch in der Praxis gelingen kann - wenn wir uns gemeinsam mit allen Stakeholdern auf den Weg machen.