Experimentieren statt spekulieren

15.08.2017

Über die Arbeitswelten der Zukunft wird viel spekuliert. Es gibt viele Hoffnungen und große Ängste. Aber wenig Gewissheit, wie sich Arbeit im einzelnen Unternehmen oder Betrieb entwickeln wird. Nur: durch reines Spekulieren lässt sich die Arbeitswelt der Zukunft nicht gestalten. Vielmehr gilt es, Neues zu wagen und Räume zu schaffen, in denen Unternehmensführungen und Beschäftigte gemeinsam innovative Arbeitskonzepte ausprobieren können. Wie kann man digitale Technologien nutzen, um die Arbeit zu erleichtern? Welche neuen Arbeitszeitmodelle sind denkbar, um den betriebswirtschaftlichen Anforderungen ebenso gerecht zu werden wie den Bedürfnissen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach mehr Arbeitszeitsouveränität? Wie kann die Digitalisierung helfen, älteren Beschäftigten oder Kolleginnen und Kollegen mit Behinderungen mehr Teilhabe zu ermöglichen?

Betriebliche Lern- und Experimentierräume bieten die Chance, sich auf die Herausforderungen der Arbeitswelt von morgen vorzubereiten. Vieles von dem, was auf uns zukommt, wissen wir noch nicht im Detail oder können die Bedeutung für die konkreten Abläufe im einzelnen Betrieb noch nicht vollständig abschätzen. Da macht es Sinn, dass sich die Akteure im Betrieb gemeinsam vorbereiten und ausprobieren, welche Lösungen für neue Herausforderungen tragfähig sind.

Wandel lässt sich nur gemeinsam gestalten. Tragfähige Lösungen für die Arbeitswelt der Zukunft müssen gemeinsam von Unternehmensleitung und Beschäftigten bzw. Betriebs- und Personalräten erarbeitet werden. Nur wenn die Beschäftigten mit ihren Bedürfnissen ernst genommen und bei Veränderungen beteiligt werden, werden sie neue Abläufe, Verfahren, Strukturen so annehmen, dass Neuerungen auch wirklich Innovationen hervorbringen können und sich somit zum Wohl der gesamten Organisation auswirken.

Wir wissen mittlerweile: "One size fits all"-Lösungen werden den Anforderungen und Realitäten der Arbeitswelt 4.0 nicht gerecht werden. Deshalb wollen wir Unternehmen ermutigen und unterstützen, Lern- und Experimentierräume im Betrieb einzurichten, um das Potenzial neuer Möglichkeiten zu erproben. Gleichzeitig wollen wir Unternehmen vernetzen, um voneinander zu lernen: Auf www.experimentierräume.de haben wir eine Online-Plattform für die Vernetzung und den Austausch geschaffen, auf der Betriebe ihre Lern- und Experimentierräume präsentieren und sich über die Projekte anderer Unternehmen informieren können.

Dabei bildet die Initiative Neue Qualität der Arbeit eine ideale Basis, um betriebliche Lern- und Experimentierräume zu fördern. Hier engagieren sich die Sozialpartner seit langem gemeinsam für gute, gesundheits- und innovationsförderliche Arbeitsbedingungen. Insofern ist es konsequent, dass wir die Förderung von Lernräumen in den Kontext der Initiative stellen.

Dabei wollen wir gezielt kleine und mittlere Unternehmen bei der digitalen Transformation unterstützen. Auch sie stehen vor der Herausforderung, ihre Geschäftsmodelle und Produkte, aber auch ihre Arbeitsorganisation weiterzuentwickeln. Wir schaffen daher neue Fördermöglichkeiten und unterstützen damit die Einrichtung von Experimentierräumen in KMU. Denn ergebnisoffene Lern- und Experimentierräume sind ein strategisches Instrument, mit dem KMU die digitale Transformation erfolgreich bewältigen können. Mehr zu den Fördermöglichkeiten gibt es morgen in meinem Blog.