Befristete Teilzeit - Baustein für ein flexibles und selbstbestimmtes Arbeitsleben

05.01.2017

Das Bundesarbeitsministerium hat Anfang des Jahres einen Gesetzentwurf auf den Weg gebracht, mit dem ein flexibles und selbstbestimmtes Arbeitsleben erleichtert werden soll. Denn spätestens seit dem Dialogprozess Arbeiten 4.0 wissen wir, dass starre Arbeitszeitmodelle mehr und mehr der Vergangenheit angehören. Die Ansprüche der Beschäftigten an die Arbeitszeit werden vielfältiger. Sie verändern sich auch öfter im Verlauf des Erwerbslebens. Das betrifft sowohl die wöchentliche Arbeitszeit, als auch die Lage der Arbeitszeit - also wieviel und wann jemand arbeiten will.

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hat in ihrem Arbeitszeitreport 2016 festgestellt, dass überwiegend Frauen in Teilzeit arbeiten: 42% der Frauen aber nur 7% der Männer arbeiten Teilzeit. Über ein Drittel der Teilzeitbeschäftigten würde dabei gerne länger arbeiten. Mit dem neuen Rechtsanspruch würde ein Ausweg aus dieser „Teilzeitfalle“ ermöglicht, die besonders häufig nach einer Familienphase zu unfreiwilliger Teilzeit führt. Mit einer befristeten Teilzeit würden auch vor allem Frauen am Ende ihres Arbeitslebens höhere Renten beziehen und könnten vermehrt mit einer selbst verdienten Rente und ohne staatliche Unterstützung ihren Lebensunterhalt im Alter bestreiten.

Fast die Hälfte der Beschäftigten, so die Zahlen aus dem Arbeitszeitreport 2016, möchte ihre Arbeitszeit reduzieren (47%), insbesondere Vollzeitbeschäftigte (55%). Die Tatsache, dass „einmal Teilzeit“ häufig „immer Teilzeit“ bedeutet, schreckt aber viele davon ab, ihre Arbeitszeit tatsächlich zu reduzieren. Auch hier kann der Rechtsanspruch auf eine befristete Teilzeit dazu beitragen, dass mehr Beschäftigte ihre Arbeitszeitwünsche umsetzen können.

Mit der Lage ihrer Arbeitszeit sind ebenfalls viele Beschäftigte unzufrieden. Dabei kann schon eine geringfügige Verschiebung des Arbeitsbeginns oder -endes oder die Festlegung auf bestimmte Tage darüber entscheiden, ob eine (Vollzeit-)Stelle z. B. mit Kita-Öffnungszeiten, der Ankunftszeit eines Pflegedienstes, einem Weiterbildungskurs oder einem Ehrenamt vereinbar ist. Nach einer Befragung im Auftrag des BMAS wünschen sich 37% der Beschäftigten, die Lage der Arbeitszeit zu verändern. Deshalb wird im Gesetzentwurf des Bundesarbeitsministeriums auch klargestellt, dass der Arbeitgeber den Wunsch eines Beschäftigten nach einer Änderung der Lage der bestehenden vertraglichen Arbeitszeit erörtern muss.

Der Gesetzentwurf ermöglicht es also Arbeitgebern und Beschäftigten, verschiedenste Vereinbarungen zur individuellen Gestaltung und Planung der Arbeitszeit zu treffen.

Selbstbestimmung bei der Arbeitszeit ist ein wichtiges Thema für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Das hat der Diskussionsprozess Arbeiten 4.0 deutlich gezeigt. Deshalb soll die Arbeitszeit besser an den individuellen Bedürfnissen der Beschäftigten ausgerichtet und in Richtung einer Wahlarbeitszeit ausgebaut werden. Das Rückkehrrecht in die vorherige Arbeitszeit ist dabei ein wichtiger Baustein für ein flexibleres und selbstbestimmteres Arbeitsleben.